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Ziemlich beste Freundinnen

von (Kommentare: 9)

Ein Hoch auf das älteste Band der Welt

Letzten Sonntag in Berlin: Das Kleeblatt trifft sich. Ich decke den Tisch zum Brunch, stelle den Rotkäppchen-Sekt kalt und poliere die Gläser. Punkt elf klingelt es an der Tür, drei Freundinnen spazieren in meine Küche, breiten sich gackernd aus und sorgen dafür, daß bis zum Dunkelwerden keine Sekunde Schweigen herrscht und am Ende des Tages die Welt neu geordnet ist.

So ist das viermal im Jahr, wenn die Kleeblatt-Freundinnen sich zum Geburtstagsbrunch zusammenfinden, seit vielen Jahren ein liebgewonnenes Ritual, bei dem immer die gleichen Regeln herrschen. Keine Männer (ohne Ausnahme), um das immer wieder gern genommene Thema in Ruhe abhandeln zu können. Dabei ist es bemerkenswert, daß die Konstellationen sich ändern (verliebt, verlobt, verheiratet, geschieden, verlassen, verraten, verfangen, verstritten, versöhnt, verfranzt….), die Jahre dahingehen - aber das Thema schier unerschöpflich scheint und immer wieder von einer neuen Seite betrachtet wird.

Regel zwei: Nach dem ersten Anstoßen erfolgt IMMER die Übergabe des Geschenkes an das Geburtstagskind. Seit ebenso gefühlten hundert Jahren plappern dabei die drei Schenkenden alle durcheinander, wie ungewöhnlich und ganz und gar anders und überraschend in diesem Jahr das Geschenk ist. DIESMAL was GANZ GANZ anderes!!! DIESMAL nämlich hat man sich mal was WIRKLICH besonders Originelles einfallen lassen. Und ebenso macht dann die Beschenkte riesengroße Augen, kriegt sich nicht mehr ein vor Spannung, schnappt nach Luft und entreißt dem Umschlag mit theatralischer Geste den immer gleichen Gutschein für immer die gleichen Shoppingparadiese, um dann vor Überraschung fast hintenüberzukippen und ohnmächtig vor Freude zu werden. Alle lachen sich kaputt! Prost auf die gelungene Überraschung!

Während der Tag in Sekundenschnelle dahinrast und am Abend die Freundinnen auf dem Weg nach Hause sind, räume ich die Küche auf und denke über die Freundschaft zwischen Frauen nach. Über die vielen verschiedenen Freundinnen, die mich mein Leben lang begleitet haben. Über die Nähe, die so vielleicht nur zwischen Frauen herrschen kann, und die Entfernungen, die oft dazwischenliegen.

Meine drei Freundinnen vom „Kleeblatt“, die ich vor langer Zeit durch die Schreiberei kennenlernte, teilten mit mir eine Leidenschaft – die für Bücher und Literatur. Ich erinnere mich, wie wir zwei Stunden nach einem Autogramm von Martin Suter anstanden, oder wie wir über den Satz „Die Braut war champagnerfarben gekleidet und trug die Welt in den Augen.“ kollektiv in Entzücken gerieten. Unsere Treffen zum Geburtstagsbrunch gehören für mich zu den festen Ritualen, auf die ich nie verzichten möchte. Die Termine sind heilig, und werden immer am Anfang des Jahres dick in den Kalender geschrieben.

Auch an meine anderen Freundinnen denke ich, während ich die leeren Sektflaschen wegräume. Die eine, mit der ich ein Zimmer von der Größe einer Streichholzschachtel im Studentenwohnheim teilte, und die heute – fast vierzig Jahre später – immer noch jährlich den selbsterfundenen TfbF (Tag der besten Freundin) mit mir zelebriert, oder die andere, die ich auf der Krippenplatz-Vergabestelle vor 30 Jahren kennenlernte, während unsere inzwischen erwachsenen Kinder sich in ihren Buggys die Spielzeuge wegnahmen.

Als ich Mitte der 80er nach Berlin zurückkehrte, begegnete mir eine Freundin, die mir in unserer Hinterhofwohnung im Prenzlauer Berg beibrachte, wie man einen Kohleofen heizt und mir mit ihrem fröhlichen sächsischen Dialekt die Gewöhnung an die Berliner Schnoddrigkeit leicht machte.

Später, nach dem Mauerfall, lernte ich meine erste West-Freundin kennen, die mir erklärte, wie man einen schlagkräftigen Lebenslauf formuliert und sich selbst in einem Bewerbungsgespräch gnadenlos selbstbewusst in Szene setzt, und daß die ganze ostdeutsche Bescheidenheit dabei nicht zielführend ist. Sie war es, die – ca. 10 Jahre älter als ich – mir immer anschaulich verdeutlichte, daß die nächste 0 auf der Geburtstagstorte gar nicht so schlimm ist.

Meine Freundin aus Kindertagen, mit der ich die Schulbank zusammen drückte und die erste Zigarette hinterm Haus rauchte, traf ich irgendwann auf dem Klassentreffen wieder. Wir gackerten wie seinerzeit in den 70-ern, als wäre das gerade gestern gewesen. Jahrelang haben wir uns nicht gesehen, trotzdem verbindet uns das geheimnisvolle Freundinnen-Band, das sich - mal dick und fest, mal hauchdünn und durchscheinend - immer wieder um die verschiedensten Frauen schlingt – und über das ich nachgrübele.

Im vorletzten Jahr zog eine meiner Freundinnen in eine andere Stadt. Sie hatte die Nase voll von Berlin. Ich erinnerte mich daran, wie wir dramatische Liebesromanzen nur mit gegenseitigem Beistand überstanden haben. Unsere Töchter spielten zusammen, als sie kleiner waren. Jetzt sind die Töchter erwachsen und aus dem Haus, und die Mütter sind Freundinnen geblieben, auch wenn die Dramen überstanden und wir beide inzwischen glücklich und mit brauchbaren Männern verheiratet sind.

Auch Kolleginnen sind zu Freundinnen geworden, über die Whatsapp-Gruppe und das tägliche gemeinsame Mittagessen in der Kantine hinausgewachsen – direkt verbunden trotz Abteilungs-Umstrukturierungen und Babypausen-Trennungen, vereint über den zeitweisen Chef-Frust hinaus durch das Freundinnen-Band, das rosa glitzernde, das nur die Verbundenen sehen können.

Meine Freundinnen sind so verschieden wie die Jahreszeiten, und genauso bunt und unterschiedlich sind die Freundschaften, die wir pflegen. Manche sehe ich monatelang nicht, mit manchen habe ich fast täglich Kontakt. Jede bewundere, schätze und mag ich für was anderes, ihre Qualitäten und Vorzüge sind so unterschiedlich wie ihre Haarfarben, ihre Wohnadressen und ihr Abstand oder ihre Nähe zu mir.

Keine möchte ich missen, mit jeder fühle ich mich verbunden. Freundinnen sind was Wunderbares. Sie haben mich ganz bewusst ausgesucht – und ich sie. Im ersten Moment oder lange Zeit danach. Wir haben uns füreinander entschieden, einander behalten, wir haben die Verbindung gepflegt, wir haben uns umeinander bemüht. Das Band, das uns verbindet, ist so vielfältig wie Ihr, Mädels.

Danke, daß Ihr meine Freundinnen seid!

Ein Hoch auf Euch!

 

 

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Kommentare

Kommentar von Lys |

Das ist so schön geschrieben, dass mir fast die Tränen kommen. Freundschaften sind etwas ganz Wunderbares und funktionieren nach nie geschriebenen und nie novellierten Gesetzen: Wärme, zuhören und einander annehmen wie man ist. Tausend Dank!

Kommentar von Tanja |

Schnief...das hast Du so schön geschrieben. Ich bin froh, dass es Dich in meinem Leben gibt.

Kommentar von Die Kleene |

Liebe Simone, du hast mich mit deiner Laudatio an deine Freundinnen mitten ins Herz getroffen. Ich habe jetzt gerade viel Pipi in den Augen und kann kaum erkennen, was ich schreibe. Ich fasse mich daher kurz. Es ist schön, deine Freundin zu sein! Du bist ehrlich, direkt, zuverlässig, manchmal etwas crazy, aber auf positive Art ;-) Auf den Punkt gebracht. Du bist einfach eine marvelous women!!! Schön, dass es dich gibt!!!

Kommentar von Marion |

Das ging mitten ins Herz!
Schön, dass es Dich gibt.

Kommentar von Gitte |

Liebe Simone, ich bin ganz gerührt, tausend Dank fpr deine Freundschaft! Ich freue mich sehr, dich als Freundin zu haben. Auch du warst meine erste Ost- Freundin, die ich ins Herz geschlossen habe. Erinnerst du du dich noch an unser Gespräch, wo du mir die. emotionale Symbolik von Tamara Danz und ich dir der " Scherben" erklärt erzählt habe? Da hat es bei mir gefunkt, weil wir uns so einfach verstanden haben und näher gekommen sind. Und es wurde immer besser!!! Ich drück dich und freue mich, dass es dich/ uns beide Freundinnen gibt. ❤ lichst Gitte

Kommentar von Maxi |

Ach, Mone, unsre Mone, (auch so ein Ritual!), ich genieße es ebenso in diese Runde zu gehören. Es gibt nicht nur Spaß, Info und Amüsement, sondern Lebenshilfe pur. Wenn ich im Dezember 10 Wochen nach Ibiza fahre, ist das mit euer Verdienst. Freundschaft mit Wohlfühlfaktor UNENDLICH. Wer hat das schon?!

Kommentar von Conni |

Was in einer Streichholzschachtel begann hat sich inzwischen sybolisch zu einem Eigenheim entwickelt. In einer so schnelllebigen Zeit wie heute, einer Zeit, wo oft Floskeln herausposaunt werden und manch Einer im Netz 10.000 Freunde oder auch Freundinnen sein eigen nennt, eine wahre und richtige Freundin an seiner Seite zu haben - das ist wie ein 5er im Lotto. Diese Freundschaft über Jahrzehnte und viele Kilometer hinweg aufrecht zu erhalten und zu bewahren, zu pflegen und schätzen, das ist ein Glücksfall. Dies genieße ich wie Schokolade, wie Marzipan, wie prikelnden Sekt oder wie Schokoeis mit Sahne und möchte Dich, liebe Simone, noch sehr lange als meine älteste und enge Freundin behalten dürfen. Ich freue mich jetzt schon auf unseren TdbF, ein Ritual, welches wir niemals aufgeben sollten.
Deine Streichholzschalchtel-Freundin Conni

Kommentar von Simone |

Danke, Ihr Lieben,
für Eure ziemlich besten Freundinnen-Wortmeldungen...
Schön....

Kommentar von Kochmaus |

Wenn Du willst, kannst Du auch meine Freundin sein. Ich weiß, wie das geht. Ich hab nämlich auch viele Freundinnen. Und Freunde!

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