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Stille Wasser

von (Kommentare: 6)

Flach und gefrässig

Der Wasserstand der Yellow Waters unterschreitet bald die 50 cm-Marke. Dann fährt hier kein Boot mehr. Und selbst die Krokodile tippeln zu Fuß zur Arbeit.

Am Ende der Trockenzeit wird es im Kakadu Nationalpark wirklich hart für alle Beteiligten. Ob Pflanzen, Tiere oder Menschen, alle scheinen sich den bevorstehenden Monsun herbeizusehnen. Der wird die Temperaturen von 43 endlich wieder auf 35 Grad abkühlen. Wassermassen, von denen man nicht versteht, wie sie in den Himmel gelangen können, werden das Land fluten, es regelrecht ersäufen, unerbittlich, mit archaischer Gewalt. Dann füllen sich die Billabongs, die inzwischen fast ausgetrockneten, natürlichen Wasserreservoire, wieder bis über ihre Ränder hinaus mit Wasser und speichern die Grundlage allen Lebens für das nächste halbe Jahr, bis weit in die kommende Trockenzeit.

Nichts, was in diesen Biotopen anzutreffen ist, lässt sich mit Mittelmäßigkeiten umschreiben. Alles entspringt, alles dient dem Extrem. Leben oder Sterben: das grundlegende Gesetz der Natur, gültig, lange bevor der erste Mensch seine zarten Füße in diese erbarmungslose Landschaft gestellt hat.

Wir Besucher laben uns an dem Wechselspiel der titanischen Energien. Können uns nicht sattsehen an dem, was dieses Biotop an unglaublichen Kreaturen hervorbringt und beheimatet. Ganz egal, ob es schwimmt, läuft, fliegt oder einfach nur da steht, wo ein Samenkorn einst beschloss, Wurzeln zu schlagen. Die Fülle und die Vielfalt dessen, was die Natur hier auf den Präsentierteller stellt, ist zu gross, um es mit einem Besuch zu erfassen. Von Verstehen ganz zu schweigen. Das ist den Menschen vorbehalten, die seit ungefähr 50.000 Jahren selbst ein Teil dieses Kosmos sind. Die Aborigines. Ihnen gehört dieses Land inzwischen wieder. Sie verwalten es und nutzen es, soweit das mit ihren überlieferten Gebräuchen und ihrem Wissen möglich ist.

Uns Bleichgesichtern bleibt nicht vielmehr, als festzustellen, wie fortschrittlich die Nachfahren der Ureinwohner dabei mit ihrer „Rückständigkeit“ sind. Sie haben schon vor tausenden von Jahren mehr von der Natur und der Welt, in der sie zu überleben hatten, verstanden, als uns das noch heute irgendein Universitätsstudium vermitteln könnte. Es gibt ein Wissen, weit jenseits der Wissenschaften, von dem haben wir „zivilisierten“ Bewohner dieses Planeten nicht den Hauch einer Ahnung. Das ist es, was uns - neben den Bildern - nach der Fahrt auf den Yellow Waters nicht mehr aus dem Kopf geht.

 

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Kommentare

Kommentar von irina Schefer |

Superschöne Fotos, wow!!!! Und so schöne Tiere, ganz besonders auch die Krokos!

Liebe Grüße und alles Gute euch beiden. Gitte

Kommentar von Peter |

Danke, Gitte! Das war wirklich ein Festschmaus für jeden Fotografen. Man wird förmlich besoffen von der Vielfalt und der Schönheit der Natur.

Kommentar von Die Kleene |

Großartige Fotos! Beim Anschauen wähnt man sich direkt vor Ort und ist tief beeindruckt von dieser wundervollen Natur und Tierwelt.

Kommentar von Marion |

Wen man nicht wüsste, dass Du sehr gute Teleobjektive hast, müsste man fast Angst um den Fotografen haben wegen seiner extremen Nähe zu manch großem Maul! Tolle Schnappschüsse!

Kommentar von Peter |

Yvonne, die Eindrücke von dort sind wirklich nachhaltig. Und selbst die Bilder können nur eine Idee von dem vermitteln, wie wir es unmittelbar Ort erlebt haben.
LG peter

Kommentar von Peter |

Marion, wer jeden Tag gegen das grosse Maul einer kleinen rothaarigen Frau ankämpft, der küsst freiwillig jedes Salzwasserkrokodil.
Und wer sagt, dass die Fotos mit Tele aufgenommen wurden ?
Es grüßt
Crocodile Hansi

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