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Wie Usedom mit Surfen

von (Kommentare: 2)

In dem kleinen Örtchen Byron Bay, bekannt wahrscheinlich unter Surfern wie der Kudamm unter Berlinern, gibt es zwei parallel verlaufende Linien: die eine ist die Hauptstraße, unterbrochen alle 10 Meter durch einen Kreisverkehr - die andere ist der Strand. Oder besser: die Strände. Und die sind echt der Hammer.

Aber zunächst: als wir in unserem Zimmer ankamen, schaltete der Reiseleiter auf „wichtig“ und führte ein Videotelefonat mit L.A. Er gab mir noch den Rat, nicht unbedingt splitternackt im Hintergrund rumzulaufen. Ich nahm mir seine Worte zu Herzen und verdrückte mich nach draußen, um Byron Bay ohne Aufsicht zu entdecken. Ich lief also die Hauptstraße einmal hoch und einmal runter. Kleine Cafés und Bars, niedliche Boutiquen und Lädchen, Sonnenbrillen- und Surfshops reiten sich hintereinander auf, Frozen Yoghurt, Healthy Küche, Bademoden. Die Szenerie erinnerte mich an eine Mischung aus Usedom und dem neuen Prenzlauer Berg. Das Publikum allerdings an eine Mischung aus Paris und Santa Barbara. Durchschnittsalter 20 bis 25. Mädchen alle langhaarig und langbeinig, gebräunt, in der einen Hand ein Iphone, in der anderen einen grünen Smoothie (vegan), Flipflops, Blümchenkleidchen schulterfrei oder weiße Shorts und Trägerhemdchen. Die jungen Männer in lässigen kurzen Hosen, T-Shirt mit Aufschrift, Haare zum Pferdeschwanz gebunden. Alle bestens gelaunt.

Die Sonne scheint, es ist heiß. Auf jedem vorbeifahrenden Auto (besser: SUV) prangt ein Surfbrett.
Ich drehe eine große Runde und checke alle Geschäfte und Boutiquen. Bis auf ein neues Tuch für die Haare (die Farbe habe ich noch nicht) entdecke ich nichts, was ich dringend brauche. Bei der Rückkehr ist der Gatte gerade fertig mit dem Telefonat und schaut hocherfreut (sie ist schon durch mit der ausführlichen Prüfung der Geschäfte, juhu!) und besorgt (sie hat nichts gekauft ausser ein kleines Haartuch? Ist sie krank?) zugleich und sagt mit Blick auf das Tüchlein: „Hast Du das nicht schon?“
Und ich sage, was ich immer sage: „Aber nicht in der Farbe!“

Am nächsten Tag machen wir einen schönen Ausflug zum Leuchtturm, der auf einer Landzunge über dem Ort steht. Der Weg führt zuerst am breiten Strand entlang, wo die Surfer auf ihren Brettern im Wasser schaukeln. Sie warten auf Wellen, aber das Meer ist heute träge und schläfrig und umspült nur sanft unsere Füße. Dann müssen wir ca. eine Millionen Treppenstufen erklimmen, immer aufwärts.

Belohnt und motiviert wird man beim Aufstieg laufend mit Aussichtspunkten, von denen man auf den langgezogenen Strand und übers Meer schauen kann. In der Ferne sehen wir eine Reihe bunter Kajaks, die wie an einer Schnur aufgezogen übers Wasser gleiten, wahrscheinlich auf der Suche nach Delphinen oder einem kleinen Buckelwal.

Ich halte ebenfalls Ausschau nach einer Schwanzflosse, aber der Reiseleiter motiviert mich, weiterzusteigen: „Wenn wir oben sind, kannst Du einen Wal sehen. Da gibts nämlich Wal-Burger im Restaurant. Bestimmt.“
Kochmaus stöhnt in der Tasche und jammert was von „essen“.

Als wir oben ankommen, ich kurz vorm Kreislaufkollaps, belohnt uns ein wirklich legendärer Rundumblick auf Byron Bay, das hellblaue Meer und die kleinen bunten Surfbretter, die wie Stecknadeln auf den Wellen schaukeln.

Der weiße Leuchtturm hat übrigens ein kleines Museum, in dem die Geschichte des Turms und seiner Bewohner dargestellt wird. Zwei kleine Räume, for free, sehr anschaulich und informativ. Und zum Schluss gibts eine Stärkung im Cafe, und ich genieße den Flat White, obwohl Kochmaus allen Ernstes nach dem Walburger fragt.

Dafür darf sie dann nicht mit ins Wasser, als wir uns nach dem Abstieg in die Fluten stürzen.

Abendessen übrigens Jemenitische Küche. Große Entdeckung!

 

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Kommentare

Kommentar von Martina |

Oh wie schön, Byron Bay. Scheint sich aber auch sehr verändert zu haben: vor 22 Jahren bevölkert von Althippies, jetzt von hippen Surfern. Macht ihr auch einen Ausflug nach Nimbin? War damals DAS Kifferzentrum, umgeben von mehreren Ökokommunen. Gute Zeit euch, hoffentlich ohne Berührung mit den Bränden.

Kommentar von Peter |

Hi Martina, nach Nimbin schaffen wir es nicht. Aber auch in Byron Bay dringt mit Sunset aus jeder zweiten Tür der süsse Geruch von Sinsemilla ins Freie. Wenn man lang genug stehen bleibt, wird man kostenlos stoned. Wir sind schon mit einem kalten Bier sehr zufrieden ;-)

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