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Wasser Marsch

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Ruhetag ist Reisetag. Und umgekehrt. Wir lassen Lake Powell hinter uns, fahren zurück nach Escalante und von dort zum Zion National Park. 350 Kilometer im Auto. Ein halber Tag auf der Straße. Und anschließend ein paar müßige Stunden auf der Zion Mountain Ranch.

Nur 24 Stunden Pause, bevor sich Mike der nächsten Aufgabe stellen wird. Wenn man das Pause nennen kann. Immerhin ist das Quartier einmal mehr filmreif. Ebenso der Ausblick. Landschaft wie in einem alten Western. God´s own Country.

Knapp 30 Kilometer Fahrt sind es am nächsten Morgen hoch zum Navajo Lake, dem Startpunkt für Aufgabe Nummer 4. Mit insgesamt 35 Kilometern wird das die kürzeste Tour des gesamten Vorhabens. Die werden zu Fuß zurückgelegt. Sie qualifizieren sich für Mikes Big Five unter anderem durch eine Besonderheit: er wird nasse Füße bekommen. Mindestens.

Als der Tag anbricht, strahlt der Himmel blau. Mike ist wie immer zuversichtlich, dass er das Vorhaben gut hinter sich bringt. Dennoch nimmt er ein GPS-Gerät mit auf die Tour. Damit ist er über einen Satelliten jeder Zeit zu orten. Das heißt: sobald ich eine Internetverbindung habe, kann ich seinen Standort über mein Handy feststellen. Er selbst kann im Bedarfsfall mit dem Gerät einen Notruf absenden, der seine genauen Koordinaten überträgt.

Bis zum verabredeten Treffpunkt mit Mike sind es diesmal keine 50 Kilometer Fahrt. Kochmaus und ich haben also Zeit genug und lassen den Tag ruhig angehen. Unter anderem sehen wir uns eine Bisonherde an, die ebenfalls zur Mountain Ranch gehört. Mit der aufgehenden Sonne setzen sich die massiven Kreaturen in Bewegung und sammeln sich um ein Wasserloch. Es sind etwa 50 Tiere, die sich so gemächlich wie kraftvoll über die Weide bewegen.

Dabei sind sie neugierig genug, um uns am Zaun einen Besuch abzustatten. Kochmaus bleibt ausnahmsweise auf Distanz. Sie findet, dass die großen Tiere mit ihren struppigen Fellen doch etwas ungepflegt aussehen. Außerdem riechen sie etwas streng und geben komische Geräusche von sich.

Gegen einen gut durchgebratenen Bison-Burger hätte sie grundsätzlich nichts einzuwenden. Die werden auch im Restaurant auf der Ranch angeboten. Da ihr die großen braunen Augen der Büffel aber nicht mehr aus dem Kopf gehen, begnügt sie sich diesmal mit einem Salat.

Während wir auf der Ranch die Sonne genießen, verfolgen wir Mikes Fortschritte über das Handy. Der größte Teil der heutigen Strecke gehört zu den Narrows. Dabei handelt es sich weniger um einen Wanderweg als vielmehr um einen Flusslauf, am Ende des Zion Canyons. Die steilen Wände an dieser Stelle lassen keinen Uferweg zu. Der Fluss ist der Weg.

Das Wasser ist stellenweise mehr als hüfttief. Zu manchen Zeiten muss streckenweise sogar geschwommen werden. Später berichtet Mike, dass ihm an einer Stelle das Wasser bis zum Hals gestanden habe. Im Frühjahr ist es wegen der Schneeschmelze und des damit verbundenen Wasserstandes nicht gestattet, die Narrows zu begehen. Selbst im Sommer können durch heftige Gewitter hier Sturzfluten auftreten.

Ansonsten wird empfohlen, für die Durchwanderung der Narrows ein bis zwei Tage einzuplanen. Der 25 km lange Weg durch den Fluss gilt als herausfordernd und sehr anstrengend. Mike erledigt diesen Teil der Strecke in 6 Stunden.

Etwa auf der Hälfte seiner Strecke rastet Mikes Positionsanzeige ein und bewegt sich nicht mehr weiter. Da er kein Freund von langen Pausen ist, muss es hierfür einen anderen Grund geben. Batterie alle? Satellit abgestürzt? Vielleicht hat er den Sender verloren, ohne es zu merken?

Als nach zwei Stunden noch immer die gleiche Position angezeigt wird, brechen ich auf nach Springdale, dem nächstgelegenen Ort. Um dorthin zu gelangen, muss ich in den Zion Nationalpark hineinfahren. Die Urlaubszeit hat begonnen. Es herrscht bereits reger Urlauberverkehr auf den 20 Kilometern, die  zurücklegen sind. Vorbei an Canyons, über Berge und durch sie hindurch werden wir während der Fahrt von 170 Millionen Jahren altem braun bis orangeroten Sandstein flankiert.

Wie schon am Grand Canyon, in den Canyonlands und auf dem Lake Powell, ist es auch hier schwer, die Dimensionen der Natur zu begreifen, geschweige den Eindruck, den sie hinterlassen, im Foto festzuhalten.

In Springdale ist erstmal Schluss mit dem Zauber der Natur. Der Ort ist gleichsam Ausgangpunkt für viele Touren in den Park, u.a. auch in die Narrows, durch die sich Mike von der anderen Seite her auf den Ort zubewegen sollte. Und das tut er zuverlässiger als die Anzeige seines GPS-Senders, der zwischen den steilen, engen Canyonwänden die Orientierung verloren hat.

Zur vorher prognostizierten Ankunftszeit wird Mike gemeinsam mit unzähligen anderen Tagesgästen aus einem der Parkbusse gespült, die zwischen dem Ort und dem Einstieg in die Narrows pendeln. Während die meisten Wanderer nach ihren 3-Stunden-Ausflügen aussehen, als hätten sie soeben den Mount Everest ohne Sauerstoff erklommen, wirkt Mike nach acht Stunden, als käme er aus einer Wellness-Sitzung. Tatsächlich war diese Tour im Vergleich zu den anderen "erholsam". Und das ist auch gut so, denn mit der letzten Aufgabe und dem Abschluss seiner Challenge, steht ihm eine große Herausforderung noch bevor. Die kann es eventuell sogar mit seiner 18-Stunden-Tour am Grand Canyon aufnehmen. Die Rede ist von seiner persönlichen Premiere auf einem Fleckchen Erde, auf dem man auf dem Asphalt der Straßen Spiegeleier braten kann: dem Death Valley - Tal des Todes.

Vorher machen wir uns aber auf den Weg nach da, wo das Leben tobt: Las Vegas.

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