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War was?

von (Kommentare: 1)

Das war´s (für diesmal) !

„3 Monate auf Reisen. 3 Monate! Das hört sich an wie ein halbes Leben. Sind aber auch nur 12 Wochen.“

Genauso wie ich es am Tag der Abreise notiert hatte, ist es gekommen.

Dazu musste man allerdings kein Hellseher sein. Mit 60+ Jährchen und der einen oder anderen Langreise im Erinnerungsgepäck, weiss man, dass sich die Wahrnehmung von Zeit mit zunehmenden Lebensjahren beschleunigt.

Nun sind wir also wieder da. Schön war’s. Viel war’s. So viel, dass mir heute morgen beim Blick auf den Kalender auffällt: vor vier Wochen waren wir noch in Wellington/Neuseeland. Dabei kommt es mir in der Rückschau vor, als wäre es bereits 10 Jahre her.

Die Eindrücke sind nicht nur zahlreich, sie verdichten sich unterwegs wie unter einer Presse, werden komprimiert wie Computerdaten, die zu viel Platz einnehmen. Wäre es anders gewesen, wären die Festplatten zwischen unseren Ohren heißgelaufen und langsam durchgedreht. Es wird eine Weile dauern, bis alle Daten wieder entpackt sind. Allein bei der Durchsicht der Bilder kommt mir immer wieder in den Sinn: „Ach ja, da waren wir ja auch“.

Wer als Fotograf auf Reisen geht, steht jedesmal vor der Entscheidung, ob er unterwegs so viel wie möglich festhalten oder einfach nur „auf sich wirken lassen“ und in seinem „Herzen speichern“ soll. Tatsache ist, dass in den letzten drei Monaten zumindest in der mittelfristigen Erinnerung viele Eindrücke und Bilder durch den ständigen Wechsel sofort durch neue Impressionen überlagert wurden. Vieles hatte gar nicht die Chance, sich wirklich festzusetzen.

Die Fotografie und unser Reisetagebuch bewahren vor allem viele „kleine“ Dinge und Erlebnisse am Rande vor dem Vergessen. Ein frühes Resümee war für mich, beim nächsten Mal 5 T-Shirts weniger mitzunehmen und dafür ein Kameraobjektiv mehr.

Wir werden die Reise für eine ganze zeitlang wieder und wieder erleben. Viele der dabei gewonnen Eindrücke, Erkenntnisse und Bilder werden uns bis ans Lebensende begleiten. Die Schlussabrechnung über unseren kleinen Familienausflug ist noch nicht erfolgt (allein die Anwalts- und Gerichtskosten für Kochmaus!). Aber jetzt ist bereits klar, dass diese Erfahrung unser Leben und unser Zusammensein in vielfacher Weise bereichert hat. Erinnerungen waren schon immer eine inflations- und zinsunabhängige Währung. Das gilt ganz besonders für diesen Trip.

Wieder was gelernt

Obwohl ich seit meiner frühen Jugend viel und gerne reise, war unser 87-Tage Ausflug auch für mich eine grundlegend neue Erfahrung, was die Dauer betrifft. Es begann damit, dass ich vom Start in Berlin bis kurz vorm Rückflug das Enddatum unserer Reise nie im Bewusstsein hatte. Die mentale Verfassung stellte sich bereits vor der Haustür um auf „lange“ bis „für immer“. Die zeitliche Perspektive reichte stets nur bis zum nächsten Ziel. Irgendwann wurden Aufbruch, Ankommen und Abschied zu einer Routine, die dich vergessen lassen, dass das irgendwann auch mal wieder vorbei ist. Und mehr noch. Die meist gestellte Frage untereinander - neben „Was essen wir?“ - war, „Was ist heute für ein Wochentag?“ Und sehr oft wussten wir die Antwort nicht, mussten nachschauen.

Die Welt, durch die wir gereist sind, war uns überwiegend vertraut, entsprach weitestgehend unserer Kultur und unserem Konsumgewohnheiten. Diese Vertrautheit wurde zu keiner Zeit ein Ersatz für Heimat oder auch nur für zu Hause. Die Mobilität verhindert jede tiefergehende Bindung. Du bleibt immer nur Gast. Du kommst und gehst wieder, bevor du mitbekommen hast, was die Menschen vor Ort umtreibt, welche Sorgen und Nöte sie wirklich haben, was der Ort, an dem sie leben, für sie so besonders macht. Obwohl Du jede Menge Leute triffst, wirst Du trotzdem ständig nur auf dich selbst zurückgeworfen.

Natürlich hat diese soziale Unverbindlichkeit auch seinen Reiz. Aber der ist nicht immer gleichbleibend intensiv. Irgendwann musst Du akzeptieren, dass Du in der Welt, die Du durchreist, ein asoziales Wesen bist. Nirgendwo bringst Du Dich ein. Du profitierst immer und überall von gewachsenen Strukturen und Ordnungen. Bevor es schwierig wird und sich auch nur Luftwurzeln bilden können, lässt Du alles hinter Dir.

Besonders schwierig stelle ich mir inzwischen vor, eine solche Reise ganz allein und ohne Begleitung zu unternehmen. Aber auch zu Zweit (von Kochmaus ganz zu schweigen) kann solch ein Vorhaben zu ungeahnten Ergebnissen führen. 90 Tage lang, ununterbrochen 24 Stunden täglich auf Tuchfühlung zu sein, muss man auch aushalten können. Zumal es keine Rückzugsmöglichkeiten gibt. Vor der Abfahrt haben wir noch herum gealbert. Entweder würden wir uns nach der Reise scheiden lassen oder das Erlebte würde uns so zusammenschweißen, dass wir es bis zum biologischen Ende miteinander aushalten. Nun, von Scheidung war ab und zu durchaus die Rede. Mittlerweile wir wissen aber gar nicht mehr genau, wann das war und wo und wieso.

Vielmehr freuen wir uns auf die nächsten gemeinsamen Ausflüge. Gerne auch wieder so lange.

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Kommentare

Kommentar von Ines & Jürgen |

Liebe Kochmaus, liebe Simone, lieber Peter,
wie schön, dass wir uns am Bluff trafen, kennenlernten, gemeinsam in die Ferne zu Südpol blickten und bald anfingen, über dies und das uns auszutauschen und zu philosophieren! Mit großem Vergnügen verfolgten wir eure Berichte - und nun? Eure Resümées - ja, genau so ist es. Deshalb quatschen wir jetzt hier nicht weiter rum, sondern sagen einfach nur: Was für eine tolle Zeit, was für bereichernde Erlebnisse, die keiner klauen kann! Bis irgendwann irgendwo (was hoffentlich nicht zu lange braucht) B oder BN oder wo auch immer! Ines & Jürgen PS: Mit Ach und Krach die Rechenaufgabe 1+3 gelöst- puh!!

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