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Volle Kraft voraus!

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Es fängt gut an

Neues Jahr - neue Insel. Von Picton aus braucht die Fähre 3 Stunden bis nach Wellington, der südlichsten Stadt auf der Nordinsel Neuseelands. Das längste Stück geht dabei durch die Cookstraße. Sie zählt zu den stürmischsten Meeresstraßen der Welt. Ich überquere sie zum zweiten Mal in meinem Leben - und diesmal ist die See noch ruhiger als bei der ersten Passage vor drei Jahren. Ganz ehrlich, bei unserem letzten Ausflug auf dem Tegeler See war mehr los.

Gemeinsam mit der kleinen Frau genießen wir die entspannten Stunden des Kreuzfahrt-Feelings. Zunächst geht es durch den malerischen Queen-Charlotte-Sound und dann übers offene Meer geradeaus - mit Blick auf die Nordinsel.

Wenn sich das alte Jahr mit weiß-blauem Himmel und einer spiegelglatten See verabschiedet, was kann da noch kommen?

Den Knall nicht gehört

Silvester in einer deutschen Großstadt. Das gehört bei uns seit ein paar Jahren schon nicht mehr auf die Liste der schönsten Erlebnisse. Und nun verbringen wir den Jahreswechsel ausgerechnet in Neuseelands Hauptstadt Wellington. Was wird uns hier erwarten?

Ein ähnlicher Wahnsinn wie in Berlin? Wo man sich bereits drei Tage vor Silvester auf bürgerkriegsähnliche Zustände einrichten kann; Vorbereitungen treffen muss, sich verschanzen gegen das kollektive Ausrasten?

Böller bekommt jeder, der im Gegenzug sein Gehirn dafür abliefert, damit er dann sorgenfrei und unter einem für uns schwer nachvollziehbaren Hochgefühl auf alles wirft und schießt, was kaputtgehen oder verletzt werden könnte. Und das bereits, bevor die Wirkung von Alkohol und anderen destabilisierenden Substanzen die allerletzten Hemmungen beseitigt. Irgendwie sind wir für so was nicht mehr gemacht oder einfach schon zu alt.

Diesmal ist es nun zwar nicht Berlin, aber dennoch Großstadt Wellington. Wir sind also auf alles gefasst. Aber nicht auf das, was wir dann erleben:

Um 22 Uhr verlassen wir die Unterkunft, um das organisierte Feuerwerk der Stadt am Hafen anzuschauen. Unsicher, ob das wirklich eine gute Idee ist, erreichen wir die „Party“-Meile - und sind verstört. Viele Menschen sind versammelt. Live-Musik gibt es auch. Essen und Trinken in Hülle und Fülle. Niemand knallt oder böllert rum. Kein hirnloses Geschrei, keine Aggressionen. Familien mit Kindern essen und trinken, hier und da klimpert ein Straßenmusikant auf seiner Gitarre, junge Leute lachen. Pünktlich um Mitternacht rumst es dann auf einer künstlichen Insel gegenüber - in ordentlichem Sicherheitsabstand vom Publikum. Ringsum werden in den Himmel gezauberte Blumen mit lautem „Aaaaahhh….“ und „Oooooh….“ begleitet.
Wir stoßen mit unserer mitgebrachten Piccolo an - Prost Neujahr!

10 Minuten später ist alles vorbei.

Wie nach einem Fussballspiel strömt alles zum Ausgang, weg vom Hafen, hin zu den Parkplätzen ihrer Autos (ja, die Leute sind noch fahrtüchtig) und fahren oder laufen nach Hause. Noch immer ballert niemand rum, keiner zündelt. Es fliegen und zerschellen auch keine Flaschen. Niemand prügelt sich.

In der Unterkunft schauen wir sicherheitshalber nochmal auf den Kalender. Es ist der 1.1.2020 in Neuseeland.

Wenn wir nachher um 8 Uhr aufstehen, haben unsere Lieben zu Hause noch 4 Stunden Restjahr 2019 vor sich. Wir wissen nicht, wie sie die Nacht erleben. Wir wissen nur eines: es geht auch anders. So wie hier. Uns gefällt es.

Happy New Year!

 

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