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Treffpunkt Sardinien

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Seit Europa nicht mehr nach USA kann, muss die USA nach Europa kommen. Treffpunkt ist die italienische Mittelmeerinsel Sardinien. Business Meeting wo andere Urlaub machen. Es gibt Schlimmeres.

Bevor mein Freund und Geschäftspartner Mike aus Kalifornien einfliegt, verbringe ich einen Tag in Cagliari, der größten Stadt auf der Insel. Sehr viel gibt sie für meinen Geschmack nicht her. Immerhin scheint die Sonne und der Himmel ist blau. Höhepunkt sind eine Kugel Eis und ein Cappuccino.

Erst am Abend kehre ich zum Flughafen zurück. Es ist ruhig. Die Hauptsaison liegt in den letzten Zügen. Die Überraschung ist groß, als mich plötzlich zwei Menschen ansprechen, die ich erst nach einem kurzen Augenblick hinter ihren Masken als Luna und Leo identifiziere. Die Deutsche und der Argentinier haben sich in Berlin beim Fallschirmspringen kennengelernt, sind inzwischen verheiratet, haben eine Zeitlang in Australien gelebt und gearbeitet und bauen nun auf Gran Canaria ihr eigenes Unternehmen auf. Auch sie warten auf Mike, der ihnen zwei Fallschirmsysteme aus Amerika mitbringt.

Irgendwann rollt ein Gebirge von Koffern durch die Ausgangstür in die Empfangshalle. Dahinter ist Mike mehr zu erahnen als zu erkennen. Er hat mit 200 Kilo Übergepäck den Atlantik überquert.

Einen der Koffer wird er gleich an die Canarien-Vögel los. Trotzdem stehen wir kurz darauf mit dem Rest des Gepäcks etwas ratlos vor dem gemieteten Mini Cooper. Der Kofferraum ist so groß wie das Handschuhfach eines Range Rovers. Zum Glück handelt es sich um die Cabrioversion des Mini-Flitzers. Das Dach wird aufgeklappt, das Gepäck auf die Rücksitze gewuchtet. Durch die Nacht geht es eine Stunde lang weiter nach Südosten Richtung Villasimus.

In einer Ferienanlage beziehen wir unseren Arbeitsplatz und Headquarter für die kommenden Tage. Nur einmal noch bewegen wir uns vom Gelände weg. Am nächsten Tag fahren wir zum einzigen Fallschirmsprungzentrum Sardiniens, das etwa 50 km nördlich von Cagliari zwischen Weinfeldern und Olivenplantagen sein Zuhause hat. Obwohl ein normaler Wochentag, ist jede Menge Betrieb. Neben den lokalen, italienischen Skydivern verlängern einige Deutsche hier ihre Sprungsaison.

Unter ihnen treffe ich völlig unerwartet auf Fabian, der seit vier Jahren als mein Nachfolger das Magazin "Freifall Xpress" für den Deutschen Fallschirmsportverband produziert. Ich habe diese Aufgabe 2017 nach 20jähriger Tätigkeit an ihn übergeben. Die Überraschung und Freude über das unerwartete Zusammentreffen sind beidseitig. Ein bisschen Small- und Fach-Talk und schon kündigt sich ein nächster "alter Bekannter" an.

Standesgemäß mit eigener Maschine fliegt Thomas von Frankfurt ein. Er betreibt im Odenwald einen Sprungplatz und verchartert unter anderem Flugzeuge an italienische Fallschirmspringer. Schöne alte Zeiten als Wettkämpfer und Mitglieder der deutschen Nationalmannschaft liegen hinter uns. Gemeinsam in der Runde mit Mike, ehemaliger Schweizer Meister und ebenfalls Nationalmannschaftsmitglied, kommt internationales Veteranen-Flair auf. Neben geschäftlichen Interessen verbinden uns lange Jahre im Fallschirmsport und viele dazugehörige Erinnerungen. Ist es ein bisschen Wehmut oder doch nur der kühle Abendwind, der über die jung gebliebenen Oldies weht?

Nachdem uns Thomas von den restlichen Fallschirmen erlöst hat, geht es in erneuter Nachtfahrt ins Quartier zurück.

Es ist die letzte Woche, bevor die Anlage die Saison beendet und schließt. Es sind kaum noch Gäste da. Der Service ist dennoch aufmerksam, das Essen vom Feinsten und den Strand haben wir fast für uns allein. Alles in allem beste Voraussetzungen für unsere wichtigen Gespräche und Planungen für das kommende Jahr. Mike liest mir außerdem die ersten Kapitel seines Buches vor über den langen Weg vom Schweizer Jungen bis hin zu einem der erfolgreichsten Fallschirmunternehmer der USA. Es soll im nächsten Jahr erscheinen. Ich bin überrascht von der Energie und dem Fleiß, mit der er auch diese Aufgabe angeht. Ganz sicher wird das fertige Werk ebenfalls interessierte Leser außerhalb der Fallschirmsport-Gemeinschaft finden.

In einer perfekten Mischung aus Arbeit und Erholung vergeht die Zeit wie im Flug.

Obwohl mir das schroffe Sardinien bisher wenig zugesagt hat, haben mich die Woche im Cormoran, am Wasser und mit Wetter wie aus dem Katalog ein wenig versöhnt.

Wieder zu Hause quengelt die Frau, dass sie auch auf die Insel will. In die Sonne. Ich frage sie, wieso? Sie hat doch mich.

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