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Textbar - die 100.

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Vor Jahren gründeten ein paar Schreibbegeisterte, die zufällig zu meinen besten Freundinnen gehören, die Autorengruppe OPUS53, die in Berlin-Marzahn und Umgebung regelmäßig eine offene Lesebühne für Interessierte anbietet. Man kommt – immerhin seit 2011 - an einem festen Abend im Monat zusammen, und jeder kann Texte zu einem vorher verabredeten Thema mitbringen und vortragen. Eine Idee, die nicht neu ist, sich aber großer Beliebtheit erfreut und im Laufe der Jahre ein Stammpublikum anzog. Die so erfundene Veranstaltung namens „Textbar“ hatte nun diesen Monat allen Grund, ein rauschendes Literatur-Fest zu feiern: Die 100. Textbar ging über die kleine Bühne des „Kieztreffs West“ in Berlin-Ahrensfelde.

Eingeladen und erschienen waren Wegbegleiter und Freunde, Dichterinnen und Denkerinnen, Schreiber und Zuhörer. Am 10.10. um 10.10 Uhr wurde eröffnet und begrüßt: Petra Pau, dem Stadtbezirk Marzahn und der Sache des Schreibens seit langem sehr zugetan, hatte es sich nicht nehmen lassen, vorbeizuschauen und den Reigen zu eröffnen. Sie las eine kleine, aber sehr amüsante Kurzgeschichte, die sie zusammengefaltet aus der Jackentasche zog, und schilderte, wie sie zur Zeit unter Corona-Bedingungen Meetings abhalten muss: Nach ganztägigen stundenlangen Telefonkonferenz-Terminen musste auch sie sich mit glühenden Ohren für ein paar ruhige Minuten auf der Toilette einschließen. Gelächter ringsum, manche nicken grimmig und wussten genau, wovon sie redet.

 

Dann folgte die Autorin Dagmar Mayer, die aus Thüringen gekommen war, um aus ihrem neuen Buch „Die Skorpionfrau im dritten Frühling“ zu lesen. Man amüsierte sich über die Geschichte vom „Bettenkauf“; Frau Pau, die eigentlich um 11 weg musste, blieb sitzen, lauschte und lachte mit. Die Zuhörer waren bester Laune, und applaudieren begeistert, als die Autorin in der sonnengelben Jacke ihr Alter preisgab. So sieht es also aus, wenn man in diesem Jahr 80 wird! Nach den kleinen Miniaturen über den „Herbst des Lebens“ bekommen die Gäste durchaus Lust auf den „dritten Frühling“.

Zwischendurch gab´s Lieblingsbücher und Musik von der Gitarre, Kaffee, Kuchen und inhaltsschwere dicke Wälzer. Die charmante Moderatorin Lysette reichte ein zentnerschweres Buch herum, gefüllt mit Bonbons und Schokolade. Inhaltsschwer, trotzdem leicht verdaulich. Alles feixte und kaute stattdessen am unterhaltsamen Literatur-Quiz. Der Hauptpreis ging nach Halensee: Ein wertvoller Ring (für den Schlüssel) und eine Flasche Rotkäppchen (Piccolo). Der Beifall wollte gar nicht enden, und der Spaß auch nicht.

Am Nachmittag begann dann der Lesemarathon „Textbar XXL“. Jeder, der Lust und Laune hatte, konnte sich hinters Lesepult stellen und etwas zum Besten geben. Ausgesprochen amüsante Töne über eine „Lesung in der Kaufhalle“ weckten eine neue Idee: Wäre das nicht etwas für die Zukunft? Lesungen an Tankstellen, in Arztpraxen und auf Bahnsteigen? Überall, wo Menschen warten, nicht entkommen können? Ein Gedanke, über den es durchaus nachzudenken gilt.

An diesem Sonnabend jedoch, am Stadtrand von Berlin, möchte niemand entkommen. Alle Gäste feiern, so gut es geht. Hinter den vorschriftsmäßigen Masken plappern alle über das, was sie eint: Texte in jeder Hinsicht. Nicht immer gleichzusetzten mit Literatur oder Dichtkunst. Aber mit Leidenschaft betrieben und mit viel Vergnügen ausgeteilt und eingesammelt: Es lebe das geschriebener Wort.

Wir wünschen der Textbar noch weitere erfolgreiche 100 und freuen uns schon auf die „200er Feier“! Weiter so!

 

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