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Teneriffa - Ushuaia -Tag 2

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Obwohl es viele Ähnlichkeiten und Vergleichbarkeiten gibt, ist ein Schiff weit mehr, als „nur“ ein schwimmendes Hotel. Natürlich checken auch hier, ebenso wie an Land, die Gäste mit ihren unzähligen Geschichten und einzigartigen Biografien nur auf Zeit ein und später wieder aus. Auch hier sind die meisten bei der Ankunft Fremde unter Fremden. Wie in jedem Hotel sind auch an Bord Begegnungen zunächst flüchtig.

Der wesentliche Unterschied zwischen der Herberge auf See zu der an Land ist die Verweildauer und ihre besonderen Umstände. So verzeichnet das Gästebuch am nächsten Morgen noch immer dieselben Namen und dieselbe Zahl der Reisenden wie am Tag zuvor beim Verlassen des Hafens. Niemand ist überstürzt wieder abgereist. Kein später Gast ist weit nach Mitternacht noch dazugekommen. Und so bleibt es. Spätestens nach zwei Tagen kennt man alle Gesichter. Die meisten grüßt man unverbindlich. Namen spielen noch keine Rolle.

Die Kontakte häufen sich nach und nach. Nicht zwingend aber fast schon ein bisschen zwangsläufig. Denn wer überhaupt keine Menschen um sich erträgt, macht sich wohl eher als Einhandsegler auf den Weg.

Je länger die Reise, desto mehr weicht der unverbindliche Small Talk tiefergründigen Gesprächen. Mit der Zeit finden sich Menschen ähnlichen Interesses oder gegenseitiger Sympathien und mit etwas Glück begegnet man Personen, deren Lebensgeschichte, Erfahrungen und Wissen, nicht nur den eigenen Horizont erweitern können. Da kann es geschehen, dass Kontakte, auch nach der Heimkehr noch gepflegt werden und sich bestenfalls sogar zu langfristigen Freundschaften entwickeln.

Unser lieber und guter Freund Alexander, ein katholischer Priester und unsere – leider inzwischen verstorbene - reiselustige „Grand Dame“ Karin, gehören zu den Menschen, die wir auf solchen Fahrten kennen und lieben gelernt haben.

Dass es an Bord eines Schiffes so weit kommen kann, ist nicht nur einer gewissen Grundsympathie geschuldet, sondern auch der täglich wiederkehrenden, gemeinsam verbrachten Zeit und – ebenso wichtig - den Pausen dazwischen. Das Erfahrene und Gelernte nach und nach verarbeiten zu können, ist dabei eine Voraussetzung, um sich nicht nur oberflächlich kennenzulernen.

Natürlich ereignen sich solche Begegnungen nicht auf allen Fahrten in gleicher Weise.
Und so bin ich gespannt, ob und mit welchen neuen Kontakten diese lange Reise enden wird.

Um 11.11 Uhr wird Karneval ausgerufen, Süßes und Alkohol unter die Reisenden verteilt. Angesichts der tropischen Temperaturen an Deck, mache ich mir Sorgen um die Folgen - vor allem bei Kochmaus. Wie überall ist sie wieder ganz vorne mit dabei.

Bis zum Mittag haben wir fast die Hälfte der Strecke nach Süden zurückgelegt, auf der wir vor 10 Tagen erst in nördlicher Richtung unterwegs waren.

Noch einen weiteren Tag und wir passieren die Kapverden. Erinnerungen an fehlende Koffer kommen auf und werden schnell verdrängt von den Gedanken an die nun fehlende Ehefrau und Reisebegleitung des Herzens. Aber irgendwer muss in Deutschland ja die Volkswirtschaft auf Trab halten. Und wer, wenn nicht der rote Wirbelwind aus Halensee.

Von meiner Kabine aus könnte man Afrika sehen, wenn man es sehen könnte. Die Sonne jedenfalls scheint jeden Morgen auf den Balkon. Da es ununterbrochen von Norden nach Süden geht, ändert sich das bis zur Endstation nicht. Zu gern würde ich das nach der Reise mit nach Hause nehmen.

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