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Teneriffa - Ushuaia -Tag 16

von (Kommentare: 3)

Es brennt. Dabei sind wir noch weit von Feuerland entfernt. Der Himmel steht in Flammen. Lichterloh. Es ist der spektakulärste Sonnenaufgang dieser Reise. Seevögel fliegen durchs Bild ohne es zu zerstören. Sie vollenden es mit ihren Federstrichen.

Das Farbspektakel löst sich rasch auf. Ozean und Himmel machen anschließend ein Angebot in gesetzteren Farben, vorwiegend grau, später am Tag kommen noch grün und blau hinzu.

Zum dritten Mal auf dieser Reise ist Land in Sicht. Die Kapverden haben wir in der Nacht durchfahren, die Felsen von St. Peter und St. Paul zur Mittagszeit umrundet. Und nun tauchen im Laufe des Tages die Falklandinseln am Horizont auf. Genauer gesagt, der westliche Teil der Inselgruppe.

Seit Jahrzehnten gehört diese Gegend ins Repertoire der Expeditionsschiffe von Hapag Lloyd. Die alten Hasen unter der Crew bekommen einen feuchten Glanz in ihre Augen, wenn sie über diesen Vorhof zur Antarktis erzählen.

Für uns liegen die Falklands nicht auf der direkten Route zu unserem Ziel. Da wir gut in der Zeit liegen und die Stammbesatzung der Hanseatic nature es vor Heimweh kaum aushält, spendiert der Kapitän einen kleinen Schlenker mit einem Abstecher durch den äußeren Teil der westlichen Falklandinseln. Wir fahren so nah an Land heran und so dicht daran vorbei wie nur möglich. Anlegen ist nicht vorgesehen. Kucken ja. Anfassen nein.

Der Kapitän telefoniert mit den paar ortsansässigen Menschen. Man kennt sich. Die Falkländer sind froh, das Schiff zu sehen, Wir sind die ersten, die sich seit zwei Jahren hier wieder blicken lassen.

Was das Ausbleiben der Besucher bedeutet, kann man nur erahnen. Vor Covid besuchten jedes Jahr rund 60.000 Touristen die Inseln. Der überwiegende Teil kam als Tagesausflügler, die im Rahmen von Kreuzfahrten hier Station machten. Nach der Fischindustrie stand der Tourismus beim Bruttoinlandsprodukt an zweiter Stelle.

Was genau die Touristen hier erwarten, kann ich mir während der Vorbeifahrt nicht wirklich vorstellen. Ich sehe karges, felsiges, spärlich bewachsenes Land, das alles andere als einladend wirkt. Es ist Frühling und bei den vorherrschenden Temperaturen nichts für Leute, die schnell frieren.

Für einige Tiere ist diese Einöde allerdings ein Paradies, vor allem für zahlreiche Seevogelarten. Die kleinen Magellan-Pinguine, die wir sehen, halten Abstand zum Schiff. Nur ab und zu zeigen sie sich kurz, wenn ihre Köpfe und Oberkörper aus dem Wasser blitzen, um kurz Luft zu schnappen.

Jemand ruft „Orcas!“ Die entpuppen sich allerdings als schwarz-weiß gefärbte Delphine. Sie kommen neugierig ans Schiff heran, verhalten sich ansonsten allerdings sehr reserviert, um nicht zusagen unterkühlt. Das ist bei 10 Grad Außentemperatur ja auch nicht verwunderlich. Kein Vergleich jedenfalls mit ihren verspielten Kollegen in den warmen Gewässern um den Äquator.

Während der Vorbeifahrt wird es mir immer schleierhafter, wieso sich Argentinien und Großbritannien 1982 um diese Inseln einen Krieg geleistet haben. Auch die ausführlichen Erklärungen, die man dazu finden kann, geben für mich keine zufriedenstellenden Antworten. Rund 1000 Menschen haben damals ihr Leben gelassen. Die politischen Auseinandersetzungen über die Besitzansprüche gehen indes weiter.

Am Nachmittag ist unsere kleine Exkursion beendet. Wir gehen wieder auf direkten Kurs Richtung Argentinien. Die Farben des Tages verschmelzen im Grau der Dämmerung und lösen sich schließlich völlig auf im Schwarz. Morgen sind wir noch einen letzten Tag auf der offenen See. Wenn wir danach in den Beagle Kanal einbiegen, ist die Endstation nicht mehr weit: Ushuaia.

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Kommentare

Kommentar von Martina |

Spektakulär dieser Sonnenaufgang, vielleicht steh ich doch mal früh auf. Zu den Falklands kann ich dir viel erzählen: ich hab vor 36 Jahren mal die Doktorarbeit eines Argentiniers zur Völkerrechtswidrigkeit der "Annexion" durch die Briten in ordentliches Deutsch gebracht.

Kommentar von Peter |

Liebe Martina, auf den Vortrag bin ich sehr gespannt. LG peter

Kommentar von Dieter Buhrau |

Ja Pjotr,
habe mit Lilia gerade den letzten Bericht und die tollen Fotos genossen und wir sind beim anschauen der Fotos der gleichen Meinung: Du machst es genau richtig mit dem Genuss in jeglicher Hinsicht ! !
Und als Fliegerkamerad, habe ich besonders den gedeckten Tisch im Flieger mit Dir geteilt.
Eine gute und gesunde Heimkehr, Lilia und Bruno

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