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Teneriffa - Ushuaia -Tag 13

von (Kommentare: 2)

Nun sind die Wolken doch noch vom Himmel gefallen. Nass und kalt umhüllen sie alles. Watteweich und trotzdem unentrinnbar. Es war zu vermuten. Ein Blick auf die Wetterkarte zeigte bereits am Vortag eine meteorologische Veränderung an. Die tieforangenen Flecken auf der Karte stehen nicht für Hitze und Sonnenschein. Sie zeigen ein riesiges Tiefdruckgebiet an, das sich wie ein drohender Riegel quer zu unserer Fahrtrichtung legt. Umfahren ausgeschlossen.

Also hinein ins Vergnügen. Auf uns wartet, was der Volksmund mit „Scheisswetter“ umschreibt. Die Seeleute sagen etwas herablassend „raue See“ dazu. Na dann. Noch liegt das Schiff wie ein Brett auf dem Wasser.

Der Nebel wirkt wie die Pforte in eine andere Wahrnehmung. Durch die schreitet nun strammen Schenkels ein weiterer Frühaufsteher, Tom. Die stundenlange Umrundung des Decks gehört zu seinem morgendlichen Ritual. Er findet den Nebel gut. Noch hat sich niemand anderes auf Deck 9 eingefunden. Oder sieht man die anderen einfach nicht? Wir stehen lange genug zusammen, um festzustellen, dass dem nicht so ist.

Bevor ich mich an meinen morgendlichen Arbeitsplatz eine Etage tiefer auf dem Pool-Deck zurückziehe, rate ich ihm aufzupassen und sich nicht zu verlaufen. Tom hingegen hofft, dass es noch nebliger wird. Er will am liebsten die Hand nicht mehr vor Augen sehen können. Der Nebel verstärkt für ihn den Eindruck, dass er völlig allein hier sei. Wie auf einem Geisterschiff. Er hofft auf eine noch intensivere Illusion der völligen Verlorenheit.

Obwohl er stoisch und ausdauernder als ein Hamster im Rad die 135 Meter lange Deckrunde dreht, wird sich dieses Gefühl nicht einstellen. Der Nebel wird nicht dichter. Es bleibt einfach nur nass und kalt. Irgendwann verirren sich noch weitere Frühaufsteher zu ihren morgendlichen Runden auf den Parcours.

Ich hingegen warte inzwischen sehnsüchtiger als an den anderen Tagen darauf, dass Noel mich mit einer Kanne Grüntee begrüßt. Selbst im Windschatten ist es sehr frisch. Nun werden die Sachen gebraucht, die seit zwei Wochen im Schrank hängen und bei denen ich mich frage, warum meine fürsorgende Gattin mir soviel Langärmeliges eingepackt hat, während die T- Shirts langsam knapp werden. In mir keimt der Gedanke auf, dass die Gute mal wieder vorausschauender war, als ihr mit anderen wichtigen Dingen betrauter Ehemann.

Wenig später werden statt Badehandtücher dicke Wolldecken auf die Liegestühle gelegt. Vor wenigen Tagen noch 30, nun 16 Grad, Tendenz abnehmend. Mit dem Nebel ist auch der Wind aufgefrischt. Der weht die milchige Suppe allerdings nicht fort. Erst die Sonne entwickelt später Kraft genug, um ein paar Löcher in die weiße Leinwand zu brennen.

Der Wind nimmt weiter zu. Der Wellengang auch. Es wird ruppiger. Vereinzelt äußern Passagiere in weinseliger Vorfreude, dass es nun endlich mit der Seefahrt losgehe. Ich finde, Wellengang wie auf dem Tegeler See hat durchaus auch seinen Charme.

Währenddessen schleppen die tüchtigen Mitarbeiter der Crew die Möbel von den offenen Decks und binden alles andere fest an. Eine geplante Außenveranstaltung wird vom Aussendeck nach Innen verlegt. Das sieht nicht gut aus.

Später klart es wieder auf. Es wird schon nicht so schlimm werden.

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Kommentare

Kommentar von Dieter Buhrau |

Hallo Pjotr,
jetzt bin ich sehr gespannt wie sich dasWetter entwickelt und was Du zu berichten haben wirst.
Das Auge in den Wolken . . . wieder genial erkannt. Weiterhin die Handbreit Wasser unter dem Kiel

Kommentar von Peter |

Diedl, schade, dass Du nicht dabei bist. Es hätte Dir gefallen.

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