Tag 4: Hamdorf - Rendsburg
von Peter Schäfer (Kommentare: 0)
Ohne jetzt überheblich oder besserwisserisch klingen zu wollen, bekommen wir neben dem Müll auch noch mit, wie der normale Mensch als Wesen so zu ticken scheint. Statt schreiend davonzulaufen, den Herrgott um Beistand anzuflehen oder doch wenigsten anzufangen, die Scheiße aufzuräumen, die er fabriziert hat, ignoriert die Krone der Schöpfung, was unmittelbar vor seiner Nase die unleugbare Realität ist.
Uns scheint, als würden alle krampfhaft versuchen, das Gefühl in sich hervorzurufen, für das sie - der Reisepropaganda sei Dank - teuer bezahlt haben. Es hiess, hier ist es super - also ist es hier mindestens mega. Wer will schon zu Hause sich und anderen eingestehen, dass Camping auf der örtlichen Müllhalde genauso schön, nur billiger zu haben gewesen wäre.
Wenn diese Geschöpfe es wenigsten dabei beliessen, „nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“ - ginge es ja vielleicht noch. Stattdessen wird der freie Meter zwischen Müll und Meer für das unvermeidliche Selfie genutzt, um wahrscheinlich auf Instagram & Co zu erzählen, wie super happy man ist, dass man den coolen Hua-Hin-Beach so ganz allein für sich genießen kann.
Andere wiederum, die jedes Gefühl für Form und Fülle über ihre Körper verloren haben, räuchern sich in den Dunstschwaden der Holzkohlegrills, die wenige Schritte neben ihnen aufgebaut sind. Von denen lassen sie sich Fleischspieße anreichen, die so gut zum kühlen Bierchen passen. Es ist halb elf am Vormittag. Das Frühstück ist schon seit einer Stunde beendet und bis zum Mittagsbuffet im Hotel sind es mindestens noch zwei Stunden hin. Eine Ewigkeit.
Offensichtlich ist das sogar der Sonne ein bisschen peinlich. Sie verschanzt sich hinter einem grauen Schleier. Das passt hervorragend zur Gesamtstimmung. Die Rote wähnt sich in einem zum Leben erwachten Hyronimus-Bosch-Gemälde. Sie wünscht sich dringend wieder festen Asphalt unter ihre Barfußschuhe.
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