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Tag 5: Rendsburg - Achterwehr

von (Kommentare: 2)

0 Grad. Strahlender Himmel. Er macht dem heutigen Sonntag alle Ehre. Ein weiterer Tag ohne Regen. So kommen uns auch die nächsten 25 Kilometer nicht allzu bedrohlich vor. Eine lange Etappe zwar, doch danach wird Kiel zum Greifen nah sein.

Hinter Rendsburg ist der Weg am Kanal durch Industrieansiedlung versperrt. Wir müssen die Seiten wechseln. Mit einer Schwebefähre gondeln wir übers Wasser. Jetzt heißt es 20 Kilometer immer nur gerade aus. Dann abbiegen und weitere 4 Kilometer landeinwärts bis zu Bier und Bett.

Wir kommen gut in die Gänge. Die kleine Blase an Martins Ferse, die ihn seit gestern Abend belästigt, tut dem keinen Abbruch. Unsere Stimmung korrespondiert mit dem wolkenlosen Himmel. Leider nicht allzu lange. So richtig schön im Flow, findet unser Fortkommen eine jähe Unterbrechung. Und zwar einen Kilometer vor der Brücke, die die Autobahn A7 über den NOK führt. Wir schreiben das Jahrzehnt der Brückensanierungen in Deutschland. Auch die vor uns liegende ist davon betroffen. Der Uferweg ist weiträumig gesperrt. Der Umweg, den wir nehmen müssen, kostet uns jede Menge Kilometer durchs Landesinnere, Zeit, Kraft und Motivation. Es wird Mittag, als das erledigt ist und wir eine längere Trinkpause einlegen müssen. Essen brauchen wir nicht. Der Appetit ist uns vergangen. Wir haben bereits über 12 Kilometer auf dem Tacho. Die Hälfte der eigentlichen Tagesleistung. Nun liegt noch fast zweimal die gleiche Entfernung vor uns.

Das Interesse an den Sehenswürdigkeiten des Kanals und seiner Ufer weicht immer mehr der Aufmerksamkeit, die unsere langsam aber stetig müder werdenden Knochen von uns einfordern. Ich fühle mich inzwischen wie Obelix - ohne Zaubertrank - der mit einem riesigen Hinkelstein auf dem Rücken durchs Gelände wankt. Martin tritt zeitgleich in einen inneren und intensiven Dialog mit seiner größer werdenden Blase. Als wir schließlich vom Kanal abbiegen, passiert, was im letzten Abschnitt der Strecke immer passiert: sie will einfach nicht enden. Anderthalb Stunden schleichen wir durch die Landschaft, bis wir die Unterkunft erreichen. Wir sind voll im Arsch. Erste Maßnahme: großes Bier.

Bei immer noch strahlendem Sonnenschein sehen wir uns wortlos an. Vielleicht sind wir doch zu alt für den Scheiß?

Marschleistung geplant: 25 km: Gesamt: 34,5 km

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Kommentare

Kommentar von Bruno |

34,5 das ist stramm. Das schafft ja heute kein BW- Soldat mehr, außer den Guten (KS&MT)

Kommentar von Peter |

Nicht nur das. In dem fortgeschrittenen Alter, in dem Martin und ich unterwegs sind, kriegst Du beim Militär normalerweise nur noch eine Verwendung als Sandsack. Wenn überhaupt.

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