Tag 2: Burg - Albersdorf
von Peter Schäfer (Kommentare: 0)
6 Grad Celsius. Bewölkt. Martin errechnet 25 Kilometer bis zum nächsten Hotel in Albersdorf. 10.000 Meter weiter als das gestrige Tagesziel.
Über Nacht hat die Fuß-Fee meine Streuselkuchen geküsst und in Füße zurückverwandelt. Ich bin erstaunt und sehr zufrieden mit dem Ergebnis meiner neuerdings praktizierten intensiven Fußpflege. Ist ja normalerweise nicht so ein Männerding. Aber „Versuch macht kluch“ - sagt ja schon der Volksmund. Wie immer hat er recht. Und ich werde meine mit Hirschtalg gesalbten Füße weiterhin auf Händen tragen.
Auf rund 100 Kilometer Länge zerteilt der Kanal das Land Schleswig-Holstein. Um einen reibungslosen Verkehr auf der Nord-Südachse zu gewährleisten, führen acht Straßen- und vier Eisenbahnstrecken über die Wasserstraße. Insgesamt zehn Brücken, dreizehn Fahrzeug- und eine Personenfähre befördern Menschen und Material auf die jeweils andere Seite.
Noch am Vormittag unterqueren wir die Hochbrücke von Hochdonn. Wer mit der Bahn nach Sylt reist, kennt sie. Aus 42 Metern Höhe blickt man hier aus dem Zugfenster hinab auf den Kanal.
Der Kanal stellt einen tiefen Einschnitt in die ursprüngliche Landschaft dar. Allein um die Entwässerung landwirtschaftlicher Flächen und den Grundwasserspiegel zu regulieren, sind etliche technische Maßnahmen erforderlich. Martin weiß bestens Bescheid und erklärt mit viel Sachkenntnis. Für mich gilt einmal mehr: Reisen bildet.
Angesichts der langen Tagesstrecke ist diesmal eine richtige Mittagspause drin, mit Speisen, Kaltgetränk und Blick auf den Kanal. Die Stärkung zahlt sich spätestens aus, als wir auf dem Weg zur Unterkunft vom Kanal abbiegen. Die letzten vier Kilometer führen durch Wald und Wiesen bis nach Albersdorf. Noch von Weitem sehen wir, wie der Aufbau einer Brücke, die eine Bundesstraße über den Kanal führt, immer kleiner wird. Sie erinnert uns daran, dass wir morgen früh mindestens die gleiche Entfernung erneut zurücklegen müssen, um ans Wasser zurückzukommen.
Vorm erlösenden Schlaf tönt es erneut aus allen Winkeln meines Körpers. Mir bislang unbekannte Muskeln und Gelenke stimmen ihr Gute-Nacht-Lied an. Eine einzige Kakophonie.
Marschleistung geplant: 25 km. Gesamt: 27 km
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