Tag 1: Brunsbüttel - Burg
von Peter Schäfer (Kommentare: 0)
1 Grad Celsius. Sonne. Locker angehen lassen. Vor uns 15 Kilometer bis zur Unterkunft in Burg, ein kleines Hotel direkt am Kanal.
Auf den ersten Kilometern lehnt sich Industrie links und rechts an die Ufer des Kanals. Chemie und Energiewirtschaft. Danach wird es ländlich. Leise. Einsam. Hin und wieder tuckern Schiffe auf uns zu oder an uns vorbei. So in etwa stellt man sich Wandern vor. Oder? Vielleicht abgesehen von dem Rucksack, der mit jedem Schritt wie durch Zauberhand schwerer zu werden scheint. Und vielleicht abgesehen von den eng sitzenden Schuhen, die sich ein bisschen anfühlen wie Schraubstöcke. Den Füssen bloß keine Chance geben für Reibungsflächen, als perfektem Nährboden für Blasen. Jeder, der auf Dienst beim Militär zurückblicken kann, weiß, was es heißt, mit Blasen zu marschieren. Es fällt nicht unter die Top Ten der schönsten Dinge, die man erleben möchte.
Am frühen Nachmittag ist das Ziel erreicht. Nun beginnt der unterschätzte Teil 2 des Tages. Vor Ort gibt es keine Gastronomie. Wir tippeln nach Burg hinein (ohne Rucksack und in Turnschuhen). Drei Kilometer extra. In eine Richtung. Plus die Sucherei nach einem guten Lokal. Nach Eis und Abendbrot schlappen wir zurück. Bus und Anhalter sind keine Optionen. Wanderer-Ehre. Am Ende des Tages sehen die Füße aus wie Streuselkuchen mit Kirschen und fühlen sich an wie nach einem Spaziergang über glühende Kohlen. Druckstellen. Gottseidank keine Blase. Dreimal auf Holz geklopft, dass es so bleibt. Die Schultern fühlen sich an, als wären sie mit Kunstharz ausgegossen. Wobei Acryl über keine Nervenbahnen verfügt, die Schmerz transportieren.
Endlich im Bett, dauert es eine Ewigkeit, bis sich das wache Bewusstsein in traumlosen Schlaf rettet kann. Bis dahin rotiere ich im Bett wie ein Broiler auf dem Hähnchenspieß. Alles, was sich in meinem Körper befindet, meldet sich klagend und protestierend zu Wort. Zwangsstudium der eigenen Anatomie - mit geschlossenen Augen. Vor uns liegen noch 100 km. Soll das so weiter gehen? Dann gute Nacht, Marie!
Marschleistung geplant: 15 km. Gesamt: 25,4 km (10,4 km ohne Rucksack)
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