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Seemausgarn und andere Verstrickungen

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Ahoi, Ihr Seejungfrauen, Leichtmatrosen und Landratten,

ich grüße Euch von hoher See. Meine zwei Heulbojen haben sich langsam wieder eingekriegt. Die Rote brauchte noch eine Weile, bis sie endlich die Koffer eingeräumt hatte. Danach saß sie noch lange vorm offenen Schrank und starrte auf die Wäsche. Ab und zu schluchzte sie laut vor sich hin. „Is was?“, fragte der Graue ständig. Aber sie seufzte nur „Ich bin so glücklich!“

In der Nacht habe ich jedenfalls prima geschlafen. Ich hatte das Bett von der Roten ganz alleine für mich. Die hockte nämlich immer noch vorm Schrank und hat ab und zu mit einer kleinen Taschenlampe hineingeleuchtet.

Der Graue hat währenddessen riesige Stämme Treibholz gesägt. Wenn der so weitermacht, hat er bald ein Floss zusammen. Auf das kann er sich dann setzen und dahinfahren, wo seine Schnarcherei niemand auf den Wecker geht.

Zum Glück habe ich so tief und fest geschlafen wie lange nicht mehr. Es hat so schön und leicht geschaukelt. Herrlich! Am Morgen hatte ich überhaupt keine Lust aufzustehen. Aber dieser Hunger, den man immer hat, sobald man die Augen aufmacht. Kennt Ihr das? Jedenfalls wollte ich liegenbleiben UND essen. Ich hab mir dann einen schönen Trick ausgedacht. Ich habe einfach so getan, als wenn ich seekrank bin. Fast wäre es aber schief gegangen. Der Graue ist ja immer so misstrauisch. „Entweder Hunger oder seekrank. Beides geht ja wohl nicht“, hat der echt behauptet. Spielt sich auf, als wenn er Medizin studiert hat. Hat er aber nicht.

Zum Glück gibt’s in der Familie jemand mit Muttergefühlen. Die Rote war zwar total übernächtigt und hatte tränende Augen vom in den Schrank glotzen, aber als sie „krank“ hörte, ging plötzlich ein Ruck durch sie. Sie meint ja immer, sie ist da, um die Welt zu retten. Sie kam angetaumelt und wollte nur wissen, „Auf was hast Du denn Appetit, Du arme Kochmaus?“ „Harter Zwieback und Kamillentee“, quakte der Graue ungefragt dazwischen.

Auf Mausepotanien gibt’s für Kranke immer nur in Butter gebratenen Speck mit doppelt Käse überbacken zwischen zwei dicken Weißbrotscheiben. Wie soll man auch sonst wieder auf die Beine kommen? Aber ich musste vorsichtig sein. Ihr wisst schon, wegen dem Seekrank-Trick. Die Rote hat mir dann einen schönen, süßen Keks und eine heiße Schokolade gebracht.

Das passte dem Grauen aber auch nicht. Er maulte mich nur an: „Wenn Du in die Kabine kotzt, lass ich dich Kiel holen“.

So ein Blödmann. Was soll ich denn in Kiel? Ich habe eine Cousine in Wismar und eine Tante in Lübeck. Aber niemand in Kiel. Aber das ist wieder typisch. Der Graue meint ja dauernd, er weiß über alles Bescheid. Dabei null Ahnung.

Ich glaub, ich muss ihm wieder heimlich sein neues China-T-Shirt hinlegen. Danach kann er sich eine Weile mit seinem eigenen Juckreiz beschäftigen. Wenn er dann frech wird, sag ich einfach nur „Wen juckt´s?“

Hihihi.

Bis bald. Mast und Schotbruch wünscht Euch

Eure Meerjungmaus.

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