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rotundgrau.de wird 1

von (Kommentare: 2)

So hatten wir uns den einjährigen Geburtstag nicht vorgestellt. Statt weltoffene Hypermobilität stecken wir nun zum wiederholten Mal den Kopf in den Sand und verschanzen uns zu Hause. Wie zu einem vorgezogenen Winterschlaf. Bloß nicht reisen! Um Himmels Willen keine Kontakte! Diesmal alles nicht ganz so drastisch wie vor sechs Monaten. Und nicht ganz so lang. Noch nicht. Vielleicht wird der Winter für uns alle aber doch länger als uns lieb ist. Der Erderwärmung zum Trotz.

Ansonsten jede Menge deja vu. Keiner weiß was Genaues und alle reden mit. Am liebsten laut. Am besten durcheinander. Und am Ende hat es jeder wieder besser gewusst. Immerhin haben die letzten Monate mit dem Virus zu einer gewissen Routine geführt. Angst verbreiten geht nicht mehr ganz so einfach. Und auch die Strahlkraft aller Experten führt nicht mehr sofort zum geistigen Strammstehen und dem Einstellen selbständigen Denkens.

Ausgerechnet in dieser Zeit und in dieser verhaltenen Stimmung jähren sich unsere kleinen „Meldungen aus der Nachspielzeit“ zum ersten Mal.

Mit einer gewissen Fassungslosigkeit und Wehmut schauen wir zurück auf eine Welt, die offen stand wie ein Scheunentor und die sich inzwischen in eine internationale Ansammlung von Gefängnishöfen verwandelt hat. Aber rotundgrau.de ist nicht angetreten, um das Schlechte in der Welt zu bejammern, das Beklagenswerte zum Thema zu erheben und sich daran zu ergötzen. Das tun andere zur Genüge. Unser Anliegen war und ist vielmehr, ein bisschen die Sonne scheinen zu lassen und die Gemüter aufzuhellen.

Lässt sich aber etwas Gutes auch im Schlechten finden? Etwas Schönes im Hässlichen? Lustiges in Traurigem? Oder funktioniert es doch immer nur umgekehrt? „Only bad news are good news“ - Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten, ist schließlich das Mantra derjenigen, die ihr Geld mit der Verbreitung von Nachrichten verdienen.

Welchen Blickwinkel wir auf das haben, was um uns herum geschieht, wird aber immer eine Entscheidung bleiben, die wir selbst treffen. Jeder einzelne von uns. An jedem Tag. Immer wieder aufs Neue.

„Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“, soll Martin Luther einst gesagt haben. Diese zeitlose und universelle Bekundung verdient nach wie vor besondere Aufmerksamkeit. Demnach ist es nie zu spät, etwas zu beginnen. Ob es Sinn macht oder nicht, ob man die Früchte seiner Saat einst selber ernten und genießen wird, steht dabei weder im Mittelpunkt noch ist es das Ziel.

Statt eines Apfelbaumes könnte es auch der Roman sein, den ich schon immer schreiben wollte. Die fremde Sprache, die ich schon immer lernen wollte oder der Musikunterricht, den ich nie genommen habe, um ein Instrument oder Gesang zu lernen. Ob der Roman veröffentlicht wird, spielt dabei keine Rolle, ebenso wenig, ob ich das Land jemals besuche, dessen Sprache ich lerne - oder ob jemand außer mir selbst meine musikalischen Talente zu hören bekommt. So lange ich mich selbst in dem wiederfinde, was ich tue, ist der Zweck erfüllt.

Zu beklagen, was man alles nicht hat und was alles nicht geht, hat noch niemanden weitergebracht. Zu keiner Zeit. Und die Annahme, dass früher alles besser gewesen sei, gehört zu den vielen Selbsttäuschungen, mit denen wir uns darüber hinweghelfen, dass in erster Linie wir selbst es sind, die an unserem Leben Veränderung vornehmen können.

Wir wussten nicht, wie weit wir kommen und wohin das führen würde, als wir unsere kleine Webseite starteten. Heute schauen wir stolz auf 191 Einträge zurück, eine beachtliche Unzahl von Fotos - und sehr viele wohlwollende und interessierte Kommentare. Auf diese Weise sind uns etliche Menschen nähergekommen. Was haben wir gestaunt, wer da alles mitliest! Wenn das keine Belohnung ist und ein wundervolles Geburtstagsgeschenk dazu!

Aus dem großartigen Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse wissen wir, dass jedem Anfang ein Zauber innewohnt, „der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“ Davon, dass wir auch irgendetwas zu Ende bringen MÜSSEN, ist darin nichts zu lesen. Menschen lieben nun mal die Vielfalt und die Abwechslung. Ob und in welcher Weise wir sie erfahren, liegt zuallererst an jedem einzelnen.

Wir jedenfalls gehen gespannt und neugierig in das Jahr 2 von rotundgrau.de und freuen uns über jeden, der uns dabei begleitet. Empfehlt uns weiter! Bleibt uns gewogen! Bleibt dran!

 

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Kommentare

Kommentar von Klaus |

Happy birthday, rotundgrau.de! Weiter so!

Kommentar von Die Kleene |

Ihr Lieben,
kein Buch kann mich seit einem Jahr so begeistern, erheitern und zum Nachdenken anregen, wie all eure interressanten, kurzweiligen, lustigen Geschichten, Erlebnisse, Begebenheiten..... ach und all die vielen tollen Fotos!!!!
Ich freue mich auf Neues von Rot&Grau
Liebe Grüße von einem großen Fan :-)

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