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Phoenix fliegt

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Berlin - Kalifornien. Das war fast so wie der Weg zur Arbeit. Eine Strecke, über die ich bis 2019 nicht mehr nachdenken musste, so häufig habe ich sie zurückgelegt. Dann kam Covid. Überall auf der Welt gingen die Mauern hoch und die Türen zu. Und plötzlich waren die USA so weit entfernt wie der Mond.

Als sich abzeichnete, dass ausländische Gäste bald wieder willkommen sein würden, war der nächste Besuch nur eine Frage der Zeit. Und da kein Mensch weiß, wie lange die neuen-alten Freiheiten diesmal anhalten, hat es der erste Post-Covid-Trip so richtig in sich. Für die Dauer von 14 Tagen steht ein wahrer Meilen-Marathon durch den Südwesten an: von Phoenix in Arizona zum Grand Canyon, von dort in die Canyonlands nach Moab/Utah, über den Lake Powell nach Palm Springs und abschließend ins Death Valley. Jedes Ziel ist verbunden mit einer körperlichen Herausforderung, der sich mein langjähriger Freund und Geschäftspartner Mike stellen will, zu Fuß und mit dem Rad. Die Extrem-Touren sollen Eingang finden in sein Buch, das kurz vor dem Abschluss steht. Ich selbst werde es deutlich ruhiger angehen und mich altersgerecht aufs Coaching und die Logistik konzentrieren.

Die Reise beginnt zum wiederholten Male am unsäglichen BER. Es kostet noch immer einige Anstrengung, sich nicht über das verplante Teil schwarz zu ärgern und aufzuregen. Also Hauptsache weg von hier und zwar schnell. Nach einer Stunde in der Luft tauchen die Schweizer Alpen am Horizont auf.

Vor zwei Jahren glich der Airport Zürich einer Geisterstadt. Nun erinnert nichts mehr an den Lock Down. Menschenmassen wuseln durch die Hallen, als wäre die Pandemie eine verblasste Erinnerung an längst vergangene Zeiten. Der Eindruck festigt sich im Flugzeug. Die Maschine nach Los Angeles ist ausgebucht. Dass Airlines mit 15 Passagieren an Bord über den Atlantik fliegen, gehört hoffentlich auch für immer zur Vergangenheit.

Gegen meinen erklärten Willen hat sich Kochmaus in die Reise eingeklinkt. Auch sie kann es kaum erwarten, endlich wieder in die Luft zu kommen. Sie richtet sich für den langen Flug in ihrer eigenen Suite ein und widmet sich dort vor allem der Verköstigung und dem Unterhaltungsprogramm. Mir ist es recht, solange sie mir nicht auf den Wecker geht.

Obwohl es noch immer die obligatorischen 11 Stunden dauert, kommt mir der Flug diesmal vor, als würde er nie enden. Sind das bereits Symptome der Entwöhnung? Oder bloß Ungeduld angesichts der Vorfreude, bald wieder kalifornischen Boden unter den Füssen zu spüren.

Nachdem Einreise und Zoll erledigt sind, stellt sich das alte L.A.-Gefühl sofort wieder ein. Im Flughafen wimmelt es wie in einem Ameisenhaufen. Eine Atmosphäre wie unter Hochspannung in dieser Verteilerstation der Träume, Hoffnungen und Wünsche.

Und dennoch sind die Narben, die Covid hinterlassen hat, unübersehbar.

2018 habe ich hier für einige Tage ein Seminar besucht und auch übernachtet. Die Zufahrt zum Airport gleicht einer Wohnstadt. Ein Hotel reiht sich ans andere, Restaurants in Hülle und Fülle. Das ideale Umfeld für Geschäftstreffen und Veranstaltungen.

Während der Flughafen bereits wieder unter hohem Blutdruck leidet, hat die Peripherie noch immer mit den Folgen der Lock Downs zu kämpfen. Viele Läden sind dunkel. Wo geöffnet ist, findet sich ein reduziertes Angebot und häufig nur mittelmäßiger Service. Überall fehlt es an Personal. Ein ganz neues USA-Gefühl. Daher beschließt Kochmaus am Abend den Kampf gegen die Flaschenvariante von Corona wild entschlossen fortzuführen.

An nächsten Morgen geht es bereits früh weiter nach Phoenix. Dort wartet Mike. Ein weiteres deja vu. Vor 23 Jahren hat er mich genau hier zum ersten Mal abgeholt, in Begleitung der Schweizer Nationalmannschaft, deren Kapitän er war. Gemeinsam sind wir damals aufgebrochen, mit 7 Skydivern und 3 Kameraleuten zu einem zwei Wochen dauernden Foto-Shooting für einen Schweizer Versicherungskonzern. Die Reise führte uns durch grandiose Landschaften und sorgte für unvergessliche Erlebnisse – von den spektakulären Fotos ganz zu schweigen. Dieser Auftrag, der zugleich ein unvergessliches Abenteuer war, legte das Fundament für die langeanhaltende gute Beziehung zwischen Mike und mir und mündete 2007 schließlich in einer gemeinsamen geschäftlichen Partnerschaft.

Einige der Orte von 1995 liegen diesmal wieder auf unserer Route. Und trotzdem wird es keine Reise in die Vergangenheit. Mike hat sich seine eigenen „Big Five“ an Outdoor-Aktivitäten zusammengestellt. Fünf unterschiedliche Orte, an denen er einmal mehr seine körperlichen und mentalen Möglichkeiten ausloten will.

Für mich ist es spannend, dabei zu sein. Und ich habe keine Zweifel, dass es genauso gut werden wird wie vor 23 Jahren. Nur anders.

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