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Pier, Pelikane, Perlen

von (Kommentare: 1)

Die Fahrt nach Oceanside am Mittwoch, den 22.01. mit dem schönen neuen riesengroßen wohlriechenden fetten amerikanischen Mietauto ist eine Fahrt ins Blaue. Es ist ein bißchen wie nach Hause kommen. Der Sunshine-State wird seinem Namen gerecht, zeigt sich von der allerbesten Seite und macht uns die bevorstehende Rückreise nach Europa schwer. Entspannt und ohne Eile fahren wir die gut 50 Kilometer zwischen San-Diego und Oceanside.

Im Fin-Hotel begrüßt man Peter wie einen alten Bekannten. Wir spazieren zum Strand, überprüfen die unveränderte Qualität bei „Tin-Fish“ (Fish and Chips nach wie vor sehr gut) und drehen eine Runde ums „Rubys“ auf dem Pier. Angler stehen in der Sonne, die Surfer schaukeln lässig auf den ruhigen Wellen und warten auf ihre Chance. Möven und Pelikane kreisen im unverschämt blauen Himmel. Es ist alles genau so, wie ich es 2016 verlassen habe. Wir laufen auf dem Sand entlang, bis die Sonne langsam und wie auf einer Postkarte im Meer versinkt und den Horizont in rotes Licht taucht. Selbst Kochmaus hält das kleine Plattermaul und guckt andächtig.

 

Am nächsten Tag sind wir mit Mike zum Lunch verabredet. Wir sehen an ihm immer wieder, was die Medizin namens „Kalifornien“ ausrichten kann: Trotz harter Arbeit in einem erfolgreichen Business scheint die sogenannte Life-Work-Balance ausgewogen. Er sieht einfach Klasse aus. Die Sonne, das gute Wetter selbst im „Winter“ und der kalifornische Lifestyle verschaffen unseren Freunden eine Lebensqualität, um die wir sie seit ihrer Auswanderung 2015 beneiden. (Kurz blitzt der Gedanke an die Berliner S-Bahn wieder auf, die ich demnächst täglich im Dunklen und wahrscheinlich bei Nieselregen benutzen darf – aber ich schiebe ihn noch ganz weit weg!!)

Wir besuchen vormittags den Farmers-Market in Oceanside, und am gleichen Abend den Sunset-Market. Auf beiden gibt es reichlich Wunderbares zu sehen, zu essen und zu probieren. Wir schlendern lange durch das bunte Gewirr von Ständen und Wagen, genießen Life-Musik und verlockende Gerüche und Düfte. Der Reiseleiter und Fachmann für „Essen und Trinken“ seufzt bei einem frischen Sushi-Teller, ich werde schwach bei Sticky Reis mit Mango. Derart gestärkt sitzen die Spendierhosen locker: der Ehemann kauft ein Paar Zauberohrringe, die je nach Umgebung die Farbe ändern - für die kleinen tauben Öhrchen der Ehefrau, auf daß seine weisen Worte in Zukunft besser an den Ohrringen vorbei ihren Weg finden. (Ich weiß nicht, was er meint, aber die Ohrringe sind wunderschön!!)

 

Beim Besuch in Fallbrook sehe ich zum ersten Mal das neue Zuhause der gewachsenen Vetter-Familie. Es hat einen großen Garten und draußen viel Platz für die Kinder. Zwei große Orangenbäume stehen vor der Terrasse, biegen sich bis zum Boden und tragen schwer an ihren Früchten. Ich sammle einige auf und denke über einen weiteren Koffer nach. Darf man Orangen aus Amerika ausführen? Die beiden mittleren Jungs führen mir ihre Spielgeräte vor, turnen über Klettergerüste und hängen sich an die Schaukeln, der Kleinste eiert hinterher und krakelt seine Zustimmung oder Ablehnung dazwischen. Wir essen „German Apfelstrudel“, den Peggy zur Begrüßung gemacht hat. Aus dem Kühlschrank, dessen Flügel-Tür ich für den Zugang zu einem weiteren Zimmer halte, kommt eine Packung Vanille-Eis von der Größe einer Waschmaschine zutage. Willkommen in Amerika.

Später fahren wir zum Windtunnel, wo Peggy und Luke in mehreren zwei-Minuten-Einheiten ihre Künste zeigen. Ich schaue gebannt zu und denke, wie leicht und elegant das aussieht, einfach so durch die Luft zu fliegen. Luke erklärt mir alles haarklein, und ich kriege eine Ahnung, wie anstrengend das doch ist. Ich belasse es dann doch dabei, an meine Berliner Sportgruppe zu denken, die mein Gestöhne und Gejammere sicher schon vermissen wird.

Wir beenden den Tag auf der Terrasse eines italienischen Restaurants in Carlsbad. Leon, der älteste Sohn, kommt dazu, direkt vom Sprungplatz, wo er neben der Schule als Videofilmer die Erinnerungen der Tandem-Gäste festhält. Was für ein cooler Job, denke ich. Im gleichen Alter hab ich nach dem FDJ-Studienjahr die Klassenräume der Schule gewischt. Wie sich die Zeiten ändern! So haben wir also für ein Stündchen die gesamte Vetter-Family an einem Tisch. Es geht turbulent zu, es wird viel gelacht und gekichert, die Kinder plappern alle durcheinander und mampfen ihre Nudeln, der Kleinste sitzt am Kopfende, wirft Spirelli in sein Wasserglas und dirigiert mit seiner Gabel das gutgelaunte Chaos. Mikes Telefon wird auf stumm gestellt. Alle sind entspannt, die Sonne geht perfekt unter. Wir genießen den ungewohnt turbulenten und schönen Moment und haben das Gefühl, daß in Kalifornien genau hier in diesem Augenblick die Welt vollkommen in Ordnung ist.

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Kommentare

Kommentar von Maximiliane |

Der Pelikan im Flug, der Peter kanns halt - die geilsten Fotos ever!
Aber Kochmaus im Sonnenuntergang hat auch was ...

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