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Nach Süden, nach Süden ...

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Wir verlassen Queenstown am Samstag, den 14.12. bei Sonnenschein und gutem Wetter. Ein paar Kilometer weiter besuchen wir einen Farmers-Market, der seinen Namen wirklich verdient hat. Frisches Obst, viel Selbstgebackenes, -geerntetes und -genähtes, Brot, Kuchen, Honig, süße Teilchen, Wein, Käse. Alles taufrisch auf den Verkaufstisch. Ein bißchen Winterfeldmarkt im Auenland. Die Frau ist seelig und taumelt duch die Stände, der Mann mit dem Bargeld hinterher. Wir kaufen Walnussbrot und Äpfel, Pfirsiche und Küchlein für die nächste Pause.

Invercargill

Die 180 Kilometer nach Invercargill schaffen wir dann ohne Probleme, das frische Walnussbrot verbreitet im Auto einen angenehmen Geruch. Die Landschaft ist traumhaft schön, grün und frisch, sanfte Hügel, Berge im Hintergrund, Schafe, wohin man schaut. Es würde mich nicht wundern, wenn Bilbo Beutlin am Straßenrand stehen würde. In Invercargill wird uns nach der Ankunft der um die Ecke liegende Park als Höhepunkt der touristischen Attraktivitäten angepriesen. Wir machen uns gleich auf den Weg, und sind – mal wieder – vollkommen überrascht. Dieser Park kann unserer IGA durchaus das Wasser reichen. Ein solcher Überfluss an Pflanzen, Bäumen und Farben haben wir nicht erwartet. Der Fotograf flippt schier aus und fotografiert Blüten, Farne und Bäume, Gräser, Rosen, Vögel und vor allem Bienen, die es hier in Mengen gibt. Alles ist gepflegt und weitläufig, es gibt riesige Bäume, die aussehen wie aus einer anderen Zeit, knallroten Klatschmohn so groß wie Teller, Rhododenronbäume, unter denen man wie in einer Kathedrale stehen kann, Farne, die als Filmkulisse von Jurassic-Park dienen könnten, einen Japanischen Garten, einen Rosengarten, ein Gewächshaus mit Weihnachtssternen, soweit das Auge reicht, Fontänen und Springbrunnen, Bächlein und Wasserspiele, Rasenflächen, so grün wie Gras. Eine Gruppe junger Mütter mit Weihnachtsmützen versammelt sich auf dem Rasen, die Kinder krabbeln über die ausgebreiteten Decken. Wir schließen uns begeistert der Meinung an, daß dieser wunderbare Park auch auf unserer persönlichen Hitliste für Invercargill unverrückbar auf Platz 1 muß.

 

Bluff

Am nächsten Morgen, Sonntag, zuhause findet der 3. Advent statt, regnet es in Neuseeland. Die grauen Wolken hängen tief und verbreiten depressive Stimmung im weiblichen Teil der Reisegruppe. Der Wetterbericht hatte es angekündigt. Ich drehe heimlich die Heizung im Bungalow auf, gucke mir die Fotos von den Weihnachtsmarktbesuchen meiner Freunde und Familienmitglieder an und lese den ganzen Vormittag unter der Kuscheldecke. Der Chefredakteur sitzt am Tisch, macht die Buchhaltung und die Statistik, wirft mit Zahlen um sich und nervt mit Ratespielen. Was weiß denn ich, wieviele Kilometer wir auf dieser Reise schon gefahren oder gelaufen sind. Bei den Kosten singe ich leise „la, la, la“ vor mich hin.

Am Nachmittag soll der Regen aufhören, und dies ist zum Glück auch pünktlich der Fall. Wir springen schnell ins Auto und fahren Richtung Süden in den kleinen Ort BLUFF, der auf der Karte Neuseelands der wirklich südlichste Punkt ist. Danach kommt nur noch eine kleinen Insel namens Stuart Island - und dann der Südpol.

Wir essen in einem Restaurant mit einem wunderbaren Ausblick auf das Meer. Auf dem Parkplatz wollen wir gerade wieder ins Auto steigen, da fährt ein beachtliches Wohnmobil mit deutschem Kennzeichen und dem Fahrer auf der „richtigen“ Seite vor und parkt neben uns. Der hinten befestigte Ersatzreifen trägt eine Weihnachtsgirlande – wir gucken uns an und grinsen. Mann und Frau steigen aus, wir hören unsere Sprache. Ich muss endlich meine spärlichen Englischkenntnisse nicht zusammenkratzen und frage, wie sie es geschafft haben, dieses Haus auf Rädern von zuhause hierher zu befördern. Wir kommen ins Gespräch, und hören, daß es doch tatsächlich ein Reiseunternehmen gibt, das „auf dem Landweg nach Australien“ mit eigenem Auto organisiert. Und genau das haben die Beiden gemacht. Ein ganz kleines Stück von der südlichsten Spitze Indonesiens bis nach Darwin in Australien reist das Auto auf einem Containerschiff.

Wir sind platt! Was die Beiden in einer halben Stunde erzählen, könnte ein erfolgreicher Bestseller werden. Sie sind nun seit 2017 unterwegs, am Anfang war nur ein Jahr geplant. Unfassbar, welche Länder sie durchquert haben, ohne Schlangenbiss und Spinnenangriff. Ein kaputtes Getriebe wurde in Indien repariert – ich krieg schon vom Zuhören fast einen Nervenzusammenbruch – wir lauschen und machen kugelrunde Augen.

Was für eine schöne und unterhaltsame Begegnung mit unseren Landsleuten, hier in diesem winzigen Örtchen im Süden, 4800 Kilometer vor dem Südpol. Liebe Grüße an Ines, Jürgen und Lotta2! Wir bleiben dran!

Am nächsten Tag – es ist Montag, der 16.12. – fahren wir von ganz unten wieder weiter – von jetzt an Richtung Norden. Wir haben nur eine Sekunde lang daran gedacht, daß die Hälfte unserer Reise bereits um ist.

 

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