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Land, so weit!

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Während ich mich im Dialog mit meinem schmerzenden, unelastischen Knie befinde, marschiert Mike allein den Half Dome rauf und runter. Das entspricht in etwa der Tour, die wir gestern am El Capitan hinter uns gebracht haben. Als das Gute im Schlechten konstatiere ich für mich immerhin, dass mir „nur“ das Knie Kummer bereitet. Weder Muskelkater noch sonstige Erschöpfungszustände hätten mich ansonsten davon abgehalten, am Half Dome zumindest mit anzutreten. Aber wie heißt es so treffend: keine Knie - keine Berge.

Am frühen Nachmittag hat Mike seinen Ausflug beendet und sieht danach aus wie nach einem kleinen Erholungsspaziergang. Wir verlassen den Yosemite Nationalpark und fahren schnurstracks nach Osten in Richtung Utah. Nachdem wir das Hochgebirge der Sierra Nevada hinter uns gelassen haben, liegen noch 1200 Kilometer auf endlos langen Straßen vor uns. Unser nächstes Ziel ist die Stadt Moab, mitten in den Canyonlands, dem nächsten spektakulären Nationalpark. Die Nacht verbringen wir in Tonopah. Der Ort verdankt seine Existenz einem nahe gelegenen Silbervorkommen. Seine Hochzeit hatte die Ansiedlung Anfang 1900. Heute bewahrt Durchgangsverkehr die rund 2.000 Einwohner davor, in einer Geisterstadt zu leben.

Anderthalb Tage fahren wir mehr oder weniger durch weites unerschlossenes Land. Immer wieder überkommt mich das Gefühl, als reisten wir durch eine ferne Galaxie. Ein Universum, in dem über tausende Kilometer lange Straßen durch naturbelassenes Nirgendwo führen und sich in besserem Zustand befinden als in jeder europäischen Großstadt.

In großen Abständen finden sich - Raumstationen gleich - Tankstellen, an die sich Behausungen anlehnen, in denen offensichtlich Menschen leben. Zu ihnen gehören die 50 Einwohner der Ansiedlung Rachel. Sie ist der nächstgelegene zivile Wohnplatz außerhalb der Area 51, einem militärischen Sperrgebiet im südlichen Nevada. Es liegt als eigene, zusätzlich gesicherte militärische Anlage innerhalb des großen Luftwaffenübungsgeländes Nellis. Die Area 51 ist Gegenstand mehrerer Verschwörungstheorien, nach denen auf der Basis außerirdische Lebensformen erforscht werden. Rachel wurde so zum Pilgerziel für Verschwörungstheoretiker und Ufologen. Immer wieder berichten Besucher von Begegnungen der ersten Art, in Form von unüblichen Lichterscheinungen entlang des durch den Ort laufenden Highways 375, der mittlerweile auch offiziell Extraterrestrial Highway heißt.

Auch wir werden von unbekannten Flugobjekten überflogen. Am helllichten Tag. Irgendwie hören sie sich an wie Düsenflugzeuge und sehen auch so aus. Wenn wir es nicht besser wüssten, würden wir sie glatt für Kampfflugzeuge der US-Airforce halten, die hier ihr Tiefflugtraining absolvieren. Kann aber unmöglich sein, hier ist Alien-Land. Jeder, der was anderes behauptet, ist ein naives Opfer der Mainstream-Medien.

800 Kilometer weiter und neun Stunden später erreichen wir schließlich Moab. Die Stadt ist der Dreh- und Angelpunkt für Touren in und um die Canyonlands. Ein Mekka von Outdoor-Freunden.

Trotz der langen Anreise ist der Tag für uns noch lange nicht zu Ende. Nachdem wir zwei Tage im Auto zugebracht haben, bereitet Mike seinen nächsten Ausflug vor. Er hat sich einen 100-Kilometer-Nacht-Tag-Marsch zurechtgelegt, als Teil der Vorbereitungen für seine Teilnahme an MOAB 240. Das Mammut-Rennen gewährt den Teilnehmern fünf Tage Zeit, um 240 Meilen/386 Kilometer durch unwegsames Steinzeitgelände zurückzulegen und geht am 9. Oktober los.

Kurz vor Mitternacht setze ich Mike in tiefster Canyonlands-Pampa ab. Am nächsten Tag nehme ich ihn an einem Treffpunkt wieder auf. 90 Kilometer hat er in 15 Stunden hinter sich gebracht. Die letzten 30 Kilometer davon mit vier dicken Blasen an beiden Füßen. Für heute reicht es erstmal.

Uns bleiben nur noch ein Tag, um Mikes Blasen und mein Knie soweit wieder in Ordnung zu bekommen, damit wir den finalen Ausflug unserer Reise antreten können. Da kommt ein kleiner Abstecher nach Salt Lake City gerade recht, um jeden trüben Gedanken zu verdrängen. Nach 400 Kilometern erreichen wir am Nachmittag die Metropole an den großen Salzseen. Wir lassen die Stadt rechts liegen und fahren weiter in die Peripherie zu einem der örtlichen Flugplätze.

Mike hat eine Verabredung mit dem Eigentümer des Fallschirmsprung-Unternehmens Skydive Utah. Wir halten uns zwei Stunden am Platz auf, finden alles gut organisiert und beeindruckend vor. Das Umfeld stimmt und auch die Zahlen. Zehn von zwölf Monaten im Jahr kann hier gesprungen werden. Wieder im Auto auf dem Weg zum Flughafen ist es beschlossene Sache, dass der Sprungplatz sehr bald als GoJump Utah firmieren und das Portfolio von GoJump America erweitern wird.

Unser Abflug von Salt Lake City verzögert sich. Mit Verspätung erreichen wir Denver. Morgen schon wollen wir den Höhepunkt unserer Reise angehen, den 4300 Meter hohen Spikes Peak in Colorado. Es wird erneut eine kurze Nacht. Mein Knie sendet kleine spitze Stiche und erinnert daran, dass es auch noch da ist.

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