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Kia ora, Neuseeland

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Stadt der Segel

2500 Kilometer mit dem Auto liegen hinter uns. Wir haben viel gesehen und doch nur einen Einblick bekommen. Das meiste davon war positiv, manches haben wir nicht verstanden und weniges wollen wir gerne wieder vergessen. So zum Beispiel den Zwischenstopp und die Nacht in Hamilton, auf dem Weg von Rotorua nach Auckland. Wir freuten uns auf die erste schwefelfreie Übernachtung und bekamen ein mit ätzenden und überparfümierten Mitteln gereinigtes desinfiziertes Zimmer.

Obwohl der Reiseleiter es besser weiss, fällt er immer wieder seinem Geiz Sparsamkeitssinn zum Opfer und bucht billig. Diesmal sehr billig. Und das, obwohl er weiss: bei billig zahlt man zweimal. In diesem Fall zahlt seine treue Reisebegleiterin den Aufpreis. Für das kleine Geld bekam sie eine schlaflose Nacht und eine allergische Reaktion auf den hemmungslosen Einsatz lebensverkürzender Chemie.

Hustend und mit tränenden Augen erreichen wir schließlich Auckland. Die Millionenstadt begrüßt uns mit blauem Himmel und 24 Grad Außentemperatur, so wie wir es gerne haben. Und bis zum Abflug wird es auch genauso bleiben.

In Auckland ist Endstation für den Reiseabschnitt Neuseeland. Die letzten Stunden einer langen Fahrt verbringen wir wieder in „unserer“ Welt, einer globalisierten Großstadt, aus der wir selbst stammen und die auf der ganzen Welt anzutreffen sind. Wir erholen uns von der Autofahrerei, auf die wir überhaupt gerne verzichten könnten und erkunden die Stadt zu Fuß.

1995 war ich erstmalig hier - da stand der Fernsehturm noch nicht und das alte Fährgebäude am Hafen mit seinem sensationellen Fischrestaurant (mein erstes Sushi!) war ein Hingucker. 2000 war ich wieder hier, der Turm stand inzwischen und das Fährgebäude war noch immer der krönenden Abschluss beim Weg aus der Innenstadt hin zu den Piers. Mitten in der Stadt machen dort große und kleine Schiffe fest.

Inzwischen ist Auckland aufs Wasser hinausgewachsen. Ein ehemaliges Überseepier dient als Plattform für Luxuswohnungen und ein Hotel. Dem kleinen, hübschen Fährhaus sind einige hohe, sehr hässliche Bürogebäude (Banken und Unternehmensberatungen!) so nahe gerückt, dass man Angst um das prätentiöse Backsteingebäude hat und fürchtet, eines Tages werde es ins Wasser gestossen.

Auch das ist ein Trend, den man selber erst nach ein paar Lebensjahrzehnten realisiert: keine Stadt wird mit zunehmendem Wachstum schöner. Zum Glück für die „Stadtplaner“, dass sich daran nur die stossen, die es noch anders kennen - und die sind bald auch nicht mehr da.

In Neuseeland und zuvor auch in Australien ist uns ganz besonders aufgefallen, mit welcher Ignoranz und einem ausgeprägten Hang zur Hässlichkeit historische bzw. schön anzuschauende Infrastruktur niedergemacht wird durch die Nachbarschaft fantasieloser Zweckbauten aus Beton und Glas - oder gleich komplett durch sie ersetzt werden.

Was die neuseeländischen Landschaftsplaner in allen Parks, die wir gesehen haben, beispielhaft vorlegen, kriegen ihre Kollegen von der Fraktion „Beton und Mörtel“ überhaupt nicht gebacken. Möglicherweise ist das hier ja eine Eingangsvoraussetzungen für Architektur und Städtebau: Null ästhetisches Gespür.

Dass Auckland noch immer einen unverwechselbaren Charme hat, verdankt es vor allem seiner einzigartigen landschaftlichen Lage, die von 53 inaktiven Vulkanen geprägt ist, zwischen denen sich die Großstadt erstreckt. Die umliegenden geschützten Meeresbuchten tragen ebenfalls wesentlich zum Bild Aucklands bei. Nicht zuletzt die zahlreichen Segelboote brachten der Stadt den Beinamen City of Sails ein. In einer Rangliste der Städte mit der höchsten Lebensqualität weltweit belegte Auckland im Jahre 2018 den dritten Platz.

Warum das so ist, können wir aus über 220 Metern Höhe selbst überblicken. Während wir den tollen Rundumblick geniessen, macht Kochmaus einen Bungee-Sprung. Dabei titscht sie mit dem Kopf neben der Matte auf den harten Asphalt auf. Die Kochmütze verhindert Schlimmeres. Trotzdem entschuldigt sie sich im voraus, falls sie in den nächsten Stunden „etwas wirr“ reden sollte.

Wir können sie beruhigen. Dazu brauchte es keinen Bungee-Sprung. Und was „die nächsten Stunden“ angeht: Schön wär’s, Kochmaus! Mit deiner Verwirrung leben wir schon seit Jahren.

Waiheke Island

Hafenrundfahrten sind ausgebucht. Also nehmen wir eine lange Fahrt mit der öffentlichen Fähre. Nach 40 Minuten erreicht sie die Insel Waiheke. Auf dem Weg dorthin rauschen wir zwischen Wassersportlern hindurch, vorbei an kleineren Inseln, den frischen Fahrtwind im Gesicht.

Bootfahren ist unser Ding. Genauer gesagt, uns im Boot fahren zu lassen ist unser Ding.

Auf den Hügeln von Waiheke sehen wir einzeln stehende Häuser. Der nächsten Nachbar liegt ausserhalb Rufentfernung. Der Blick von dort oben muss großartig sein. Auch so etwas könnten wir uns für uns vorstellen. Da wir dafür aber noch etliche Billigübernachtungen in fragwürdigen Hotels inkauf nehmen müssten, stellen wir den Wunsch bis auf weiteres zurück.

 

Tamaki Paenga Hira

Es ist Sonntag und die Reisegruppe nutzt den Tag traditionsgemäss zur Muße und zur Bildung. Zu Fuss geht es durch den Park der Auckland Domain, auf einen grasbedeckten Hügel, der irgendwann auch mal ein Vulkan war. Dort befindet sich das Auckland Museum. Es ist das größte und älteste kulturhistorische und naturkundliche Museum in Neuseeland. Das Museum verfügt über bedeutende Sammlungen, insbesondere zur Geschichte Neuseelands, der Kultur der Māori und den Kulturen des pazifischen Raumes.

Außerdem ist das Museum die zentrale Kriegsgedenkstätte für die Provinz von Auckland. Es zeigt dazu eine umfangreiche Ausstellung zu den Neuseelandkriegen, internen Kolonialkriegen im 19. Jahrhundert als auch zu den internationalen militärischen Auseinandersetzungen, an denen Neuseeland teilgenommen hat.

Die Exponate und die Informationen erschlagen uns einmal mehr. Um den Besuch aufzulockern buchen wir „Gesang und Tanz“ - allerdings nur zur passiven Teilnehme (man muss ja nichts übertreiben), vorgetragen von sechs jungen Maori. Abschluss und Höhepunkt ist der traditionelle Haka, ein ritueller Tanz, ausserhalb Neuseelands am ehesten als Kriegstanz bekannt (was allerdings zu kurz greift). Der Haka wird als eine Art Symphonie gesehen, bei der die verschiedenen Körperteile die vielen Instrumente darstellen. Die Hände, Arme, Beine, Füße, Stimme, Augen, Zunge und der Körper als Ganzes vereinigen ihre individuellen Expressionen zu einer Aussage. Mut, Ärger, Freude und andere Gefühle werden durch die Bewegungen der einzelnen Körperteile ausgedrückt.

Ganz zum Schluss gibt es dann noch eine Fotosession mit Fred Feuerstein und seiner Frau Wilma. Yabba Dabba Doo!

 

 

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