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Hab mein Wagen vollgeladen, voll mit hübschen Mädchen...

von (Kommentare: 2)

Es ist Sommer geworden. Mit meinen drei Freundinnen vom „Kleeblatt“ treffe ich mich zum Geburtstagsbrunch. Die Freundin mit dem Sommertermin hat es gut, denke ich. Sie kann „draußen“ planen. Ich habe im Januar Geburtstag. Da ist man immer drinnen. Zum Eistauchen, Skifahren oder Winterwandern möchte keiner. Nicht mal zum Schlittschuhlaufen.

Nun also der Sommertreff. Die Freundin hat einen Garten im Oderland, schickt Fotos von blühenden Rosen und ihrer sonnigen Terrasse. Wir freuen uns auf einen faulen Tag im Gartenstuhl. Aber es kommt anders.

Eine Woche vorher schreibt sie in unserer WhatsApp-Kleeblatt-Gruppe: „Es gibt eine Überraschung. Bitte Strickjacke mitbringen.“ Überraschung? Wie jetzt? Seit wann das? Brechen wir das Protokoll, den heiligen Ablauf? Wir stellen Fragen. Sie tut geheimnisvoll.

Was daraus erwächst, ist ein Schriftwechsel der absurdesten Art. Zuerst fangen wir zu viert an, die Wettervoraussagen am Tag X auszutauschen. Jede von uns hat andere Wetterdienste, und – wen wundert das – jede hat für den Geburtstags-Sonntag eine andere Wettervoraussage parat. Die Temperaturvoraussagen gehen aber immerhin einheitlich für den Ort des Geschehens über die 30-Grad-Grenze. „Was zur Hölle sollen wir da mit der Strickjacke?“, fragt eine, die Einladerin hüllt sich in Schweigen und macht es spannend. „Ein Eimerchen ist auch nicht verkehrt“, setzt sie später hinzu. Eimerchen?? Was für ein Eimerchen?! Wir restlichen drei Kleeblätter tauschen uns hinter den Kulissen aus. Wahrscheinlich sammeln wir Blaubeeren? Oder wir benötigen das Eimerchen, um Wasser (bei 35 Grad) über uns zu schütten? Wassertreten? Ruderboot? Angeln?

Jetzt kommt die Brandenburgerin mit Mückenspray um die Ecke. Sollen wir auch mitbringen. Der Graue lacht. „Wahrscheinlich Survival-Training im Oderbruch. Sehr originell.“ Er lacht sich kaputt, ich gucke grimmig. „Ich geh nicht angeln!“ schreib ich an meine Freundinnen. „Wer spricht von Angeln?“, schreiben die zurück. Beim Angeln muss man ja still sein. Kommt also für uns nicht in Frage.

Wettervoraussagen aus vier Handys werden stündlich ausgetauscht. Alle verschieden. Wir suchen uns das schönste Wetter aus und amüsieren uns. Sonnenspray und Sonnenhut kommen auf die Mitbringe-Liste. Ich frage den Grauen, ob wir ein größeres Auto leihen können und ob ich sicherheitshalber meine Gummistiefel mitnehmen sollte.

Der Tag X mit der geheimnisvollen Überraschung rückt näher. Wir kriegen uns nicht mehr ein vor Spannung und kichern uns warm. Die Geschenkeübergabe mit der immer gleichen Glückwunschrede (siehe „Ziemlich beste Freundinnen“) findet auf dem Marktplatz in Angermünde statt. Der Graue ist als Fotograf zugelassen (ausnahmsweise, weil sonst keine Männer). Das Geburtstagsfrühstück findet in einem Café namens „Hilde und Heinz“ statt. Dort gackern wir zwei Stunden, schlürfen Kaffee, verschlingen die Brötchen und können es kaum erwarten, dass die Überraschung endlich losgeht. Ich habe Strickjacke und Wassereimer dabei. Keine Ahnung wofür. Ich hoffe, dass ich nicht Wasserski laufen muss oder im Wald übernachten.

Und dann wird endlich aufgelöst! Juhu!

Wir fahren um die Ecke und sehen die Überraschung: Zwei schwarze Pferdchen und eine Kutsche! Und wir haben ein paar sehr vergnügliche Stunden um Angermünde herum. Auf unsere Erleichterung, dass wir nicht zum Überlebenstraining zurückgelassen werden und auch nicht angeln müssen, stoßen wir an. Die Brandenburgerin hat in der Kühltasche alles dabei, was wir für einen vergnüglichen Nachmittag brauchen. Sie verteilt Fächer, mit denen wir nach den Mücken schlagen. Wir versuchen, den Sekt aus den mitgebrachten Gläsern nicht zu verschütten, schlürfen und prosten über Wald und Wiesen.

Der Graue thront vorne neben Herrn Lehmann, dem Kutscher, (beide Männer als Dienstleister ausnahmsweise zugelassen) und darf ab und zu fotografieren, wie wir uns hinten köstlich amüsieren und in die Landschaft hineingackern. Strickjacke und Wassereimerchen (wozu nochmal?) kommen nicht zum Einsatz. Das Wetter ist eine herrliche Mischung aus unseren vier Voraussagen: sonnig wie unsere Laune.

Danke, liebes Kleeblatt und liebes Geburtstagskind, für diesen herrlichen Ausflug.

Stunden später – am gleichen Tag - kommen der Graue und ich auf Usedom an. Es regnet seit Stunden Bindfäden, und dunkle Wolken jagen am Himmel entlang. Doch das ist eine andere Geschichte.

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Kommentare

Kommentar von Anja Herzog |

Da sah nach einem sehr lustigen Tag aus. Hier ist das Wetter auch nicht gerade das Beste, aber ich bleibe optimistisch und will morgen zum meist fotografierten Haus der Bretagne wandern.

Kommentar von Lys |

Jetzt beim Lesen des Artikels musste ich schmunzeln und erfreue mich noch im Nachhinein, dass niemand auf die Idee kam, Pferdeäppel aufzulesen und das so befüllte Eimerchen stolz nach Berlin und Usedom schleppen wollte.

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