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Gestrandet

von (Kommentare: 1)

Warum das Navi die 350 km von Sossusvlei nach Walvis Bay mit über 5 Stunden Fahrzeit berechnet, wird uns klar, als wir den Namib-Naukluft-Park hinter uns lassen und Richtung Norden weiterfahren.

Die errechnete mittlere Geschwindigkeit von 60 km/h kommt uns leicht untertrieben vor, als wir nach einer Stunde bereits 80 Kilometer zurückgelegt haben und Solitaire erreichen. Ein Verkehrsknotenpunkt mit Tankstelle, Motel, zwei Cafés, Kirche und Autofriedhof. Danach wird es dann sportlich. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit bricht ein wie die Börsenkurse am schwarzen Freitag.

Der Straßenbelag, wenn man das wirklich so nennen will, wechselt ab zwischen Geröll, Waschbrettwellen und allem Möglichen in Kombination. Mancherorts geht es nur mit 30 oder 40 km/h voran. Wenn ich eins jetzt nicht sein möchte, dann Autoreifen. Was ist eigentlich, wenn wir uns einen Platten einfahren? Kann die Gemahlin Radwechsel? Der Fahrer kann es nicht. An ihrer Schlagbohrmaschine war die Rote bislang eine wahre Virtuosin. Wagenheber ist ja eigentlich so ähnlich.

Währenddessen kurven wir durch Landschaftsformationen, die man eher auf fernen unbewohnten Planeten vermutet hätte. Gesteinsformationen, die aussehen wie überdimensionierter Krokant, quadratkilometergroße Canyon-Landschaften, die an Schützengrabensysteme erinnern - und dann wieder eine schneeweiße solide Brücke über einem ausgetrockneten Flussbett, in dem inzwischen Bäume wachsen.

Und immer wieder erblicken wir Behausungen oder Lodges, die verloren wie vom Himmel gefallen in der Kulisse stehen.

Unterwegs kreuzen wir zum zweiten und zum letzten Mal auf dieser Reise den südlichen Wendekreis der Sonne. Irgendwann nach ein paar Stunden biegen wir schließlich ab und steuern zurück in die Wüste Namib. Zwei Stunden nach Westen. Dann sollten wir an unserem Ziel in Walvis Bay ankommen.

Zwei Stunden durch ein Bild, dass nicht einmal mehr den Namen Landschaft verdient. Backblech wäre vielleicht treffender. Wir bewegen uns durch eine Art Nichts. Keine Bodenerhebungen. Keine Farben. Schneeblindheit droht. Inzwischen wirft hier nichts mehr einen Schatten. Die Sonne steht senkrecht über uns.

Dann verdüstert sich der Himmel und die Luft. Ockerfarben eingehüllt, erreichen wir in einem Sandsturm den Ort Walvis Bay. Die alte Hafenstadt am atlantischen Ozean. Die Temperaturen pendeln sich bei etwas über 20 Grad ein. Wir schmecken Seeluft, die Balsam ist für unsere Lungen. Das Geschrei der Seevögel ist Musik in unseren Ohren. Das Abendessen vor einem Sonnenuntergang wie auf der Postkarte haben wir uns verdient.

Walvis Bay, Walvisbaii oder Walfischbucht hat als Ort nicht viel zu bieten. Als Handels- und Fischereistützpunkt gegründet, hat die drittgrößte Stadt Namibias noch immer das Flair eines Industriestandortes. Menschen siedelten sich an - vermutlich wegen der Arbeit, nicht wegen der Schönheit der Natur. Die findet sich vor allem außerhalb von Walvis Bay.

Als ausgewiesene Freunde der Seefahrt buchen wir eine mehrstündige Bootstour. Raus aus dem Hafen und weg von den Dampfern und Hebekränen, hin zur Spitze einer vorgelagerten Halbinsel. Zum Leuchtturm des Pelican Points.

Als die Rote wie gewohnt ans Ruder will, sitzt da schon ihr Reisebegleiter. Von dem exponierten Platz kann er nicht nur mit seinem nautischen Fachwissen brillieren und dem Skipper unter die Arme greifen, sondern auch all das überschauen, was unbedingt fotografiert werden will. Er trägt es mit Fassung, dass die leicht eingeschnappte Gemahlin ihn für den Rest des Tages nur noch mit „Käptn Nuss“ anredet.

Der Katamaran ist kaum vom Anleger weg, da kommen Gäste an Bord, die nicht nur kein Ticket haben, sondern darüber hinaus auch noch kostenlos verköstigt werden. Die zahlenden Mitfahrer freut es, Robbi, Peli und Möwi von Angesicht zu Angesicht zu begegnen und mit ihnen gemeinsam fürs Fotoalbum zu posieren.

Zum Glück bleibt es bei der überschaubaren Zahl tierischer Passagiere. Denn für das, was bald darauf auf uns zukommt, wäre nicht mal Platz auf Noahs Arche. Unüberschaubare Populationen von südafrikanischen Seebären und Flamingos breiten sich im Sand und am Ufer der Halbinsel aus. Wir sehen Delphine, einen Mondfisch und alle möglichen Seevögel.

Beseelt von der Fahrt, den schönen Bildern und ein paar Gläschen Schampus tuckern wir zurück, vorbei an ein paar Wracks und Geisterschiffen. Es ist erst Mittag, als wir wieder anlegen. Das zweite Highlight des Tages, wenn nicht der gesamten Reise, steht noch bevor: der Besuch einer Drogerie. Die Rote will es so.

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Kommentare

Kommentar von Problemcousine |

Wieder tolle Fotos, ich hätte so ein paar Berührungsängste mit den Robben, die gewichtsmässig ja in einer anderen Liga als die Möwen und Pelikane unterwegs sind. Kontaktaufnahme nach Rückkehr nötig, da bei mir die Vorurteile einer Afrikareise sinken. Grüße aus MV.

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