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Nick Cave & Warren Ellis

von (Kommentare: 2)

Alte weiße Männer

Eigentlich war es völlig egal, was wir sehen würden. Hauptsache Karten für eine Veranstaltung in den Innereien des legendärsten Opernhauses der Welt. Ich hätte sogar Ballett (Oh No!!!) ertragen, um für das kollektive Erinnern mit der Angetrauten Zeit in Sydneys Oper abzusitzen.

Doch erst in Australien war es schließlich möglich, online an Karten für eine Veranstaltung während unseres Aufenthaltes zu gelangen. Wie sich herausstellte, das Beste, was uns passieren konnte.

In Deutschland nicht einmal angekündigt, erschien an 2 Tagen ein ganz besonderer Leckerbissen auf dem Spielplan. Nick Cave. Mit seiner Formation The Bad Seeds ist er auch bei uns hinreichend bekannt. In Sydney gab er gemeinsam mit Warren Ellis drei Konzerte, in denen sie eine Auswahl ihrer Kompositionen für verschiedene Filmmusiken darboten. Begleitet wurde alles vom Sydney Symphonie Orchester und dem Chor der Sydney Philharmonie.

Nick Caves Stil und seine Stimme sind über die Jahre unverwechselbar geworden. Seine Musik ist nicht unbedingt dafür geeignet, sich morgens um 7 in fröhliche Laune zu versetzen, um den Tag mit Schwung anzugehen. Sie erfordert Einlassung. Zeit. Hinhören. Dann erschließt sich das, was vorschnell als Klagegesänge bezeichnet werden könnte, als eine tiefe, melancholische Musik mit abgründiger Sehnsucht. Beste Voraussetzungen also für ein großartiges Konzert.

Entsprechend sind auch die Filme, die Cave und sein Co-Komponist Warren Ellis vertonten. Die Streifen warten durchweg mit existentialistischen Themen auf, in denen die Protagonisten an den steilsten Abgründen ihres Seins gezeigt werden wie z.B. The Proposition, The Road, Hell or High Water oder Wind River.

Seit einiger Zeit werden alte, weiße Männer für alles mögliche verantwortlich gemacht und schuldig gesprochen. An diesem Abend erleben wir mit, was sie noch so können, außer eine Arschkarte hochzuhalten. Neben Nick Cave mit seiner messerscharfen Bügelfalte in der Anzugshose und leicht dandyhaftem Auftreten, bearbeitete Warren Ellis ausschließlich verschiedene Geigen. Ich kann kaum glauben, welche Töne er diesem kleinen Instrument abringt. Seine Hingabe und Körpersprache machen ihn für mich zum Keith Richard an der Violine. Göttlich!

Was für zwei coole Musiker! Kein 20 jähriger Gangster Rapper von irgendwo reicht diesen alten Säcken auch nur bis zur Kniescheibe. Können, Erfahrung und Lässigkeit kombinieren sich eben erst ab einem bestimmten Alter.

Nach knapp zwei Stunden sind wir fix und fertig und tief berührt von diesem wundervollen Abend, bei großartiger Musik, in einem kaum zu überbietenden Ambiente.

Dass neben mir ausgerechnet Bill Ellis sitzt, ein Cousin des Teufelsgeigers auf der Bühne, ist eine dieser merkwürdigen Begegnungen, die einen nicht mehr an Zufälle, sondern an ein abgekartetes Spiel glauben lassen.

 

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Kommentare

Kommentar von Mike Vetter |

sehr sehr cool!

Kommentar von Peter |

Lieber Mike,
das hätte Dir sehr gut gefallen!

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