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Feuer ins Wasser - Asche aufs Haupt

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Gerade eben noch sinniert die Rote über die Faszination von Seetagen, da sind sie für diesen Teil der Reise auch schon wieder vorbei. Nach den Kapverden erreichen wir zwei Tage später die Kanaren und steuern als erste eine Insel an, die seit einigen Wochen Schlagzeilen macht: La Palma.

Seit dem 19. September 2021 ergießt sich dort nach einem Vulkanausbruch an der Westküste ununterbrochen Lava ins Meer. Dieses Ereignis hat inzwischen zahlreiche Menschen um die Grundlagen ihrer Existenz gebracht. Angesichts dessen erwog Hapag Lloyd ernsthaft, die Insel von der ursprünglich geplanten Reiseroute zu streichen. Niemand will in Verdacht geraten, eine Katastrophe als Sehenswürdigkeit oder Teil des Unterhaltungsprogrammes zu instrumentalisieren.

So eine Entscheidung scheint naheliegend und würde trotzdem bloß eine Seite des Sachverhaltes spiegeln. Die andere sieht nämlich etwas anders aus: nur ein sehr kleiner Teil der Insel ist von der Zerstörung unmittelbar betroffen. Als Kollateralschäden und nächste wirtschaftliche Katastrophe nach Corona wirken sich aber wieder die ausbleibenden Erholungsurlauber aus. Wie auf allen anderen Kanarischen Inseln ernährt der Tourismus auch auf La Palma einen erheblichen Teil seiner Bewohner.

Nicht zuletzt aufgrund der ausdrücklichen Ermutigung und Bitte von offizieller Seite La Palmas bleibt es bei dem ursprünglichen Reiseplan. Am nächsten Morgen legt die „Hanseatic nature“ wie geplant im Hafen von Santa Cruz de La Palma an.

Die Berge sind wolkenverhangen. Es regnet. Das ideale Wetter, um im Bett zu bleiben. Aber nicht auf einem Expeditionsschiff. Da gibt es kein schlechtes Wetter. Höchstens unpassende Kleidung. Nach dem Frühstück strömt die Masse der Mitreisenden in wetterfester Zweckbekleidung zu den bereitstehenden Bussen. Sie entfernen sich zu ihren gebuchten Touren.

Die Berliner Reisegruppe ist diesbezüglich wenig ambitioniert. Sie will weder auf Maultieren noch auf Motorrädern und schon gar nicht in Wanderstiefeln das gebirgige Hinterland erforschen. Das ist nicht der Grund, warum sie an Bord eines Schiffes gehen. Allerdings ist ein im Hafen liegendes Schiff in etwa so sinnvoll und sexy wie ein am Boden geparktes, nicht fliegendes Flugzeug. Und so schnappen sie sich einen großen Regenschirm und brechen zu einem Landgang auf, den heimatlichen Schwimmkörper immer schön in Sichtweite.

Erfreulicherweise entpuppt sich die Innenstadt bereits in der zweiten Reihe mit ihren historischen Gebäuden als sehr malerisch.

Zum unerwarteten Highlight wird ein altes Franziskanerkloster, das inzwischen als Inselmuseum genutzt wird. Die Säle präsentieren Exponate über Ethnographie, Naturwissenschaften und Kunst. Überrascht sind wir von zwei Werken eines deutschen Künstlers: der Schriftsteller Günther Grass ist hier mit einer Radierung und einer Skulptur verewigt, die die Geschichte um sein Buch „Der Butt“ thematisieren.

Ein idyllisch angelegter Orangenhof und ein riesiges eiförmiges Kunstwerk aus Holz, das im Innenhof bewundert werden will, runden den kulturellen Kurzausflug ab.

Im Außenbereich des Museums sowie während des gesamten Ausflugs durch die Stadt fällt uns der großflächig verteilte, feine schwarze Staub auf. Die seit zwei Monaten anhaltende Vulkantätigkeit auf der anderen Seite der Insel hat auch hier inzwischen fingerdicke Spuren hinterlassen. Ein Ende ist nicht abzusehen.

Nach dem Ablegen am Abend geht es zum nächsten Ziel, der Insel La Gomera. Wir machen einen kleinen Umweg entlang der Westküste von La Palma. Aus sicherer Entfernung erleben die Passagiere ebenso wie die Crew, betroffen, fassungslos und zugleich fasziniert ein Naturschauspiel: die seit Milliarden von Jahren innewohnenden Kräfte der Erde bahnen sich feuerspeiend ihren Weg an die Oberfläche. Der mitreisende Fachmann für Geologie kommentiert und erklärt dabei, was alle sehen und keiner wirklich versteht.

Es sind immer wieder solche gewaltigen Naturereignisse, die zeigen, wer auf dem blauen Planeten der Chef im Ring ist. Wir Menschen sind es ganz sicher nicht.

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