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Dschungelbuch Tag #3

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Liebes Dschungelbuch,

die erste große Enttäuschung auf dieser Reise liegt hinter mir. Mit knapper Not konnte ich so grade noch mein nacktes Leben retten. Und meinen Rucksack, meine fünf Koffer, die Forschungsausrüstung, das Surfbrett, meine Reisebibliothek und zwei kleine Paletten Proviant. Schrecklich! Mir ist so gut wie nichts mehr geblieben.

Dabei fing alles so vielversprechend an. Ich war die rote und die graue Nervensäge losgeworden. Nichts stand mir im Weg. Von Belém auf die Ilha der Marajó war es nur ein Mäusesprung. Da wo einst meine Großcousine bereits im fortgeschrittenen Alter ihr Leben der Büffelzucht und Käseherstellung gewidmet hatte, wollte ich anknüpfen und ihr gescheitertes Lebenswerk fortsetzen.

Elli hatte sich damals nämlich in den Kopf gesetzt, viereckigen Büffelmozzarella herzustellen. Den runden gab´s ja schon. Das war ihr zu einfach. Leider lief es nicht ganz rund mit ihren Käsewürfeln. Sie arbeitete Tag und Nacht an einer serienreifen Herstellungsmethode. Ohne Erfolg. So entschloss sie sich, dass Übel an der Wurzel zu fassen und züchtete eine neue Rasse von Wasserbüffeln – mit quadratischen Eutern! Leider kam diese Idee nicht mehr zum Durchbruch.

Stattdessen ließ die anstrengende Züchtungsarbeit sie immer häufiger zum Alkohol greifen. Dabei erfand sie ganz nebenbei noch ein Getränk, das auf der Marajó Insel und bei Wirtschaftswissenschaftlern in aller Welt einen wahren Siegeszug antrat: den Caipiranha. Ein Mixgetränk aus Rum mit Rum, das ausschließlich in Halblitergläsern ausgeschenkt wird.

Ich wollte nun also den Nachfahren von Ellis Züchtung die freudige Botschaft überbringen, dass ich die Arbeit meiner Großcousine fortsetzen werde. Und da muss was schiefgelaufen sein. Plötzlich stand das Oberhaupt der Herde vor mir, Buffalo Bull. Er gab undeutliche Geräusche von sich. Und die klangen kein bisschen nach „Herzlich willkommen! Wir haben schon ewig auf Dich gewartet.“ Im Gegenteil.

Vielleicht hatte sich eine der Kühe darüber beschwert, dass ich zu kalte Pfoten hatte, als ich ihr an den Euter gegriffen habe? Ich weiß es nicht. Ich konnte es auch nicht mehr klären, weil ich schnell mein Leben retten musste. Ich hatte zwar gelesen, dass Ellis neue Züchtung etwas komisch, etwas aggressiv, etwas unberechenbar sein sollte. Aber so?!

Zum Glück konnte ich mich auf einen Bananenfrachter retten, der nun in Richtung Manaus unterwegs ist. Hauptsache erstmal weg.

Mir ist nichts geblieben, außer meiner Hoffnung.

Morgen geht es weiter.

Bis dann, liebes Dschungelbuch.

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