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Dschungelbuch Tag #6

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Liebes Dschungelbuch,

manchmal kann das Leben so einfach sein. Nachdem ich auf dem Pooldeck den Grauen gesichtet hatte, war es nur eine Frage der Zeit, bis die Rote an der Auslage mit den süßen Köstlichkeiten aufkreuzen würde. Und siehe da, es dauerte gar nicht lange und schon wurde die Vitrine rot ausgeleuchtet. Es war nicht der Sonnenaufgang, soviel kann ich Dir verraten.

Ich sah, wie die Rote mit großen Augen alles genau inspizierte. Im Gegensatz zum Grauen würde es dabei aber nicht bleiben. Irgendwann würde sie auch was anfassen, darauf hätte ich meine Kochmütze verwettet. Sie riss die Klappe auf – und ihre nervösen Hände ergriffen alles, was sie nur festhalten konnten.

Ich war doch etwas überrascht. Wir hatten uns ja eine Weile nicht gesehen. Sie hat in der Zwischenzeit ein ganz schön rundes Gesicht bekommen.

Ich gebe mich noch immer nicht zu erkennen und sehe zu, wie sie ein bescheidenes Gläschen mit Obstsalat auf die Seite stellt und danach jede Menge Schoko-Brownies, Zimtschnecken und Puddingteilchen in ihrer „Badetasche“ verschwinden lässt.

Dabei schaute sie die ganze Zeit um sich, als wenn sie jemand verfolgen würde. Nachdem sie die Vitrine leergeräumt hatte, verschwand sie mit ihrem „Obstsalat“ wie eine feine Dame in eine stille Ecke, die schlecht einzusehen ist.

Da habe ich mich dann zu erkennen gegeben.

„Kochmaus, du hier?“, fragte sie ganz überrascht mit vollen Backen. „Ich wollte grade ein kleines Gläschen gesunden Obstsalat genießen“. Dabei wischte sie sich ein paar Schokokrümel vom Mund.

„Schon klar“, habe ich ihr zugezwinkert. „Ich habe da übrigens eine Idee, von der ich Dir gerne erzählen möchte". Sie nickte verständnisvoll, während sie mit einem Fuß unauffällig ihre Badetasche unter den Stuhl verschwinden ließ. Und ich erzählte ihr von meinem Vorschlag.

Später sah ich die Rote und den Grauen zusammenstehen. Ich war zu weit weg, um etwas zu verstehen. Aber irgendwann schrie der Graue „Die oder ich!“

Was soll ich sagen. Es ist herrlich, wieder in einem anständigen Bett zu schlafen. Mal wieder die Beine schön lang machen.

Es ist immer gut, zu wissen, dass es auch Menschen gibt, die einen mögen. Und vielleicht hat ja auch geholfen, dass ich das kleine Geheimnis über ihr rund gewordenes Gesicht für mich behalte. Erst mal.


Morgen geht es weiter.

Bis dann, liebes Dschungelbuch.

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