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California Dreaming

von (Kommentare: 2)

Für die gut 300 km von Wellington nach Napier brauchen wir diesmal einige Stunden, und der Tag kann fast als reiner Reisetag vermerkt werden. Als wir die Küstenstadt am Pazifik endlich erreichen, fühlen wir uns wie nach Kalifonien versetzt.

Unsere Unterkunft liegt an einer langgezogenen von Kiefern gesäumten Uferstraße, von unserem Zimmer haben wir durch die Bäume hindurch einen Blick aufs türkisfarbene Wasser. Wir machen uns gleich auf den 5-Minuten-Weg in die City, von der wir schon viel gehört haben. Und in der Tat: Hier sieht es aus wie in einer Filmkulisse aus den 20er Jahren.

Dabei ist diese wunderschöne Besonderheit Napiers aus einem tragischen Grund entstanden: 1931 wurde die Stadt bei einem großen Erdbeben und den nachfolgenden Bränden fast vollkommen zerstört. Der Aufbau erfolgte, initiiert von ambitionierten Architekten, dann im Stil der damaligen Zeit – Art Deco. Pastellfarbene Häuser, gradlinige Stuckfassaden, geschliffene Fenstergläser – und hier im Stadtbild noch hin und wieder eigenwillig gemischt mit Maori-Elementen. Über Cafes und Restaurants die typischen Beschriftungen, Milchglaslampen und elegante Flügeltüren strahlen im glamürosen Stil Eleganz und Moderne aus.

Wir sind entzückt und begeistert. (....und fragen uns nur, wer die ab und zu dazwischengebauten Häßlichkeiten erlaubt hat - aber das kenne wir ja schon von anderen schönen Städten, die wir in unserem Leben schon besucht haben.)

Im größten Taumel der Begeisterung begegnet mir – als ob diese ganze wunderschöne Filmkulisse nicht schon genug wäre - an einer Ecke ein riesengroßer Laden, in dem es die passenden Kleider, Schmuckstücke und natürlich Schuhe im Art Deco Stil gibt. Ich gehe hinein und winke mit letzter Kraft dem Ehemann zu. Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie er auf einer Bank Platz nimmt und „Krieg und Frieden“ aus der Tasche zieht.

Ich nehme mit offenem Mund die PHANTASTISCHEN Charlston-Kleider von der Stange und bin so begeistert von den Federboas, langen Perlenketten, Glitzerohrringen, Strass-Hütchen und Zigarettenspitzen, daß ich halb besinnungslos durch den Laden stolpere und fast hyperventiliere.

Ehemann wird reingerufen und muß sich kleine und große spitze Schreie anhören. Aber das kennt er ja von seiner Frau. So steht er mir bei, als ich mir zur Erinnerung an diese schöne Stadt und diesen genauso schönen Laden ein WUNDERSCHÖNES grünes Tuch aussuche. Denn das – Art Deco hin und her – habe ich noch nicht in dieser Farbe.

 

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Kommentare

Kommentar von Martina |

Wieder superschöne Bilder und genauso schöne Erinnerungen. In Napir bin ich ohne Günter in einen Antiquitätenladen gegangen und habe dort eine kleine Artdeco Pfauentänzerin von Nymphenburg gesehen und konnte kaum meine Augen von ihr lassen. Leider sehr sehr teuer. Der Verkäufer schaute mich an drückte sie mir in die Hand und sagte: Bring her home, she is old. Und wollte ein Viertel des ausgewiesenen Preises. Leider ist sie Opfer mehrerer Haushaltshilfen geworden, aber irgendwann wird sie restauriert

Kommentar von Simone |

Martina, das ist ja schon wieder ne richtige Geschichte. Rührend...
War bestimmt derselbe Laden!
Ich bin fast ohnmächtig geworden da drin.
Es gibt sogar ein Art-Deco-Festival in Napier, leider erst im Februar. Da ziehen sich die Leute auch noch passend an. Das würde ich zu gern mal sehen.

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