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Blau gemacht

von (Kommentare: 2)

Noch immer herrscht Unsicherheit bei der Planung langfristiger Reisen oder weit entfernter Ziele. Leider beindruckt das weder den drohenden Verfall des Resturlaubs noch den Homeoffice-Blues. Tapetenwechsel ist angesagt. Eine kleine Auszeit nur. Nicht zu weit weg und irgendwas mit Natur. Gerne auch Wasser. Ostsee. Wieder einmal. Möwengeschrei und Fischbrötchen-Duft sind kaum zu toppen. Komplizierte Buchungsvorgänge sind um diese Jahreszeit nicht erforderlich und mit dem Auto braucht es nur wenige Stunden Fahrt: auf die Insel Rügen, diesmal nach Binz.

Binz

Lang ist der Strand vor Binz. Rund 12 barrierefreie Kilometer bis nach Neu Mukran, dem größten Eisenbahnfährhafen Deutschlands. Auf dem Weg dorthin liegen küstennah auf einer Länge von rund 2,5 Kilometern luxussaniert die ehemaligen Monumentalbauten des Kraft durch Freude-Vorhabens von Prora.

Binz-Prora und zurück wird zur Haus- und Hofstrecke für die Rote und den Grauen. Drei Stunden am Strand des Prorer Wiek entlang, in knapp 3 Stunden inklusive Kaffeepause.

Das Seebad Binz ist trotz der frühen Jahreszeit selbst an den Wochentagen bereits gut besucht. Wie viele der Gäste mögen wohl Wiederholer sein und wer tauscht erstmals den Ballermann gegen Binz? Die Heimat, sprich Deutschland, hat als Reiseziel seit Corona eine Renaissance erfahren. Obwohl keine Urlaubszeit, obwohl Wochentags, lassen die bereits anwesenden Menschen ahnen, was in wenigen Wochen hier los sein wird, wenn die Sommerurlauber den Ort überrollen. Wir entdecken innerstädtisch kein Gebäude, das sich nicht als Hotel oder Ferienunterkunft anbietet.

 

Über allen Wipfeln

Die Insel bietet nicht nur vom Ufer aus einen weiten Blick hinaus auf See. Im Naturerbe-Zentrum Rügen geht das auch über einen Baumwipfelpfad. Dort lässt sich nicht nur der Wald - trotz lauter Bäumen - ganz hervorragend erkunden und überblicken. Von einer 40 Meter hohen Aussichtplattform hat man zudem einen großartigen Rundumblick. Ob direkt auf die Ostsee, auf Prora und Sassnitz zu unseren Füßen oder auf das Landesinnere über die Boddenlandschaft hinweg - von oben erschließt sich die Vielfalt Rügens mit wenigen Blicken ins Weite.

Noch herrscht über den laublosen Wipfeln eine entspannte Ruhe. Hier und dort wiegen sich ein paar vom Winde verwehte Mund-und Naseschutz-Masken malerisch im Geäst.

Obwohl es ein normaler Arbeitstag außerhalb der Saison ist, spazieren bereits etliche Leute über den luftigen Waldweg. Bald wird auch hier in jedem Sinne des Wortes wieder Hochsaison herrschen.

Sassnitz

Während Binz goldfarben und mit Sand vom Wasser getrennt ist, verläuft in Sassnitz diese Abgrenzung in Beton und mausgrau. Die Uferpromenade versucht dieses Manko durch ein rustikales Angebot an Fressbuden und Marketenderläden wettzumachen. Wer keinen Sand in den Schuhen mag, dafür Fischbrötchen und Bier, ist hier gut aufgehoben.

Wie die Ruhe vor dem Sturm, liegt eine unfassbar stabile Wetterlage über der Insel. Eine Woche lang schmiegt sich die Ostsee fast regungslos an die Ufer. An manchen Tagen ist sie spiegelglatt wie eine volle Badewanne. In der gleißenden Sonne steigt über Tage hinweg das verdunstende Meerwasser auf wie feiner Nebel. Alles in der Ferne ist nur noch schemenhaft zu erkennen.

Über Stock und Stein

Es gibt viele Wege von Binz nach Sellin, dem südlich gelegenen, ebenfalls mondänen Seebad. Per Auto geht´s am schnellsten, mit dem "Rasenden Roland" am historischsten und zu Fuß am gesündesten. Bei der naturverbundensten Variante bieten sich wiederum drei Möglichkeiten: ein moderater Wanderweg, ein anspruchsvollerer Hochwanderweg und schließlich direkt an der Küste entlang, wobei hier von "Weg" allerdings keine Rede sein kann.

Als Menschen im besten Alter entscheiden sich Rot und Grau hinwärts für die anspruchsvolle Variante durch den Wald und zurück am Meer entlang. In beiden Fällen wird ihnen erst später klar, was die Schilder meinen, an denen sie achtlos vorbeigehen: "Betreten auf eigene Gefahr".

Nach Rückkehr von einer fordernden Hinderniswanderung für Senioren sind das Abendessen und ein ordentliches Bier jedenfalls redlich verdient.

 

Störti

Neben dem Fischbrötchen gibt es eine weitere Ikone, ohne die die Ostsee nicht denkbar ist. Klaus Störtebeker, seines Zeichens Pirat. Nach jahrelanger Berufsausübung musste er 1401 - etwas kopflos - seinen Job an den Nagel hängen. Seitdem ranken sich Sagen und Legenden um den Gesetzlosen, der posthum Kultstatus erlangte. Auf Rügen wird seiner im Rahmen der Störtebeker Festspiele auf der Freilichtbühne Ralswiek gedacht.

Nach zwei ausgefallenen Saisons, ist Störti in diesem Jahr endlich von der Quarantäne befreit und wird wieder auf das Publikum losgelassen. Ab dem 18. Juni reitet und segelt der alte Seewolf dann um sein Leben, verkörpert von Moritz Stephan, dem coolsten Störtebeker-Darsteller, der uns je begegnet ist.

Während einer Privataudienz erklärte er rotundgrau.de exklusiv, wie vor der grandiosen Kulisse bald wieder die Flaschenpost abgehen wird. Die Rote war daraufhin so angetan und aufgeregt, dass sie nach der Autogrammstunde sogleich Platz nahm, um ja nichts zu verpassen.

Der Graue holt sie dann im Sommer wieder ab.

 

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Kommentare

Kommentar von Martina |

Da kommt direkt wieder Sehnsucht nach Meer auf - wie immer sehr sehr schöne Bilder

Kommentar von Problemcousine |

Rügen ist IMMER eine Reise wert. Für den nächsten Besuch gibt es von uns noch ein paar persönliche Geheimtips. Sportlich ist auch der Weg am Strand zurück von Sellin nach Binz. Das Warnschild steht, soweit ich mich erinnern kann nur in Binz, so das erst im Nachhinein man seine Leistung würdigen kann. Hoffentlich hatte die Rote passende Fußbekleidung. Grüße aus MV/P

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