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Bewusst leben

von (Kommentare: 2)

Der Grundstein für die innige Freundschaft und Geschäftsbeziehung zwischen Mike Vetter und Peter Schäfer wurde 1995 gelegt mit einem Traumauftrag für ein Fotoprojekt. Die Schweizer Nationalmannschaft im Fallschirmspringen wurde damals von dem Unternehmen "Zillion" gesponsert. Als Kapitän des Teams akquirierte Mike den Auftrag für ein einzigartiges Werbe-Shooting. Die Bilder wurde damals von Zillion für das hauseigene Marketing verwendet. Als Herausgeber und Verleger nutzte Peter das Material für einen mehrseitigen Beitrag in seinem Magazin BLUE SKY.

Zur gleichen Zeit verbrachte Mike mit seinem Unternehmen DESERT VISION als Outdoor-Touren-Anbieter viele Monate im Südwesten der USA und legte dabei ebenfalls ungezählte Kilometer auf dem Mountainbike zurück.

Fast 30 Jahre später reisen wir erneut gemeinsam durch Arizona, Utah, Nevada und Kalifornien. Statt mit Flugzeug und Fallschirm, diesmal zu Fuß und mit dem Mountainbike. Zumindest was Mike betrifft. Als Senior in der Reisegruppe bevorzuge ich das Auto und schaue genau zu, was da passiert, ohne genau zu verstehen, was genau da geschieht.

Nach zehn Fragen bin ich etwas schlauer.

 

Peter: Wie kommst Du auf die Idee, fünf so extreme körperliche Herausforderungen innerhalb von 10 Tagen anzugehen?

Mike: Es war die logische Folge aus meinen bisherigen Aktivitäten. Seit einigen Jahren begebe ich mich immer wieder auf einzelne Trails im Südwesten der USA. Diesmal wollte ich sie zusammenfassen, auch als eine Art Abschied von dem Outdoor-Ort Sedona in Arizona. Dort haben meine Familie und ich in den letzten anderthalb Jahre gelebt. Im August ziehen wir nach Kalifornien zurück.

P: Was war der Grund für die ausgewählten fünf Ziele?

M: Grand Canyon ist eine der eindrucksvollsten Nationalparks und die Herausforderung bleibt einzigartig. White Rim Trail wollte ich schon immer mal machen. Außerdem ist Moab seit jeher einer meiner Lieblingsorte. Hole in the Rock ist historisch gesehen einfach sehr speziell durch den Kontrast und die Kombination von der Weite der Wüste, die du mit dem Bike durchquerst, und abschließend der Rückweg über das Lebenselixier Wasser - eine Tour, die ich früher ebenfalls oft mit Kunden gemacht habe. Die Narrows habe ich bereits 10 mal durchquert, in den 90er Jahren, ebenfalls mit Kunden. Sie sind immer wieder wunderschön und eindrucksvoll. Death Valley war für mich die größte Herausforderung. Die Route war mir bisher unbekannt. Hier kombinierte sich am Ende alles: Wildnis, Hitze, Steigungen und Einsamkeit.

P: Welches war die körperlich schwierigste Etappe?

M: Durch den Grand Canyon. Von der Südkante zur Nordkante und wieder zurück, in einem Durchgang. Eine kaum enden wollende Strecke mit großen Höhenunterschieden, bei denen man viele Stunden unter praller Sonne der Hitze ausgesetzt ist. Vor allem der letzte Abschnitt mit 12 Kilometern, bereits wieder in der Dunkelheit, ständig sehr steil bergauf, nachdem man schon 60 Kilometer in den Beinen hat.

P: Welches war mental die schwierigste Etappe?

M: Death Valley. Ausgesetzt im Badwater Basin, dem tiefsten Punkt der USA, bei 30 Grad Celsius, morgens früh um 3 Uhr. Es gibt nicht wirklich einen Weg zurück. Und die Route war mir unbekannt. Das war für mich eines der größten Erlebnisse dieser Art in den letzten Jahren.

P: Warst Du darauf eingestellt, das Vorhaben eventuell auch abzubrechen und wie hättest Du das bewertet?

M: Ja, das war immer in meinem Kopf. Ich glaube aber, eine meiner Stärken ist es, alles realistisch einzuschätzen. In Verbindung mit guter Vorbereitung führt das dann meistens zum Erfolg. Aufzugeben, wenn es sinnvoll erscheint, ist aber auch kein Beinbruch. Das ist auch im Geschäftlichen meine Philosophie: „Ein guter Unternehmer muss - genau wie ein Outdoor-Sportler - auch mal nein sagen können."

P: Gibt es Erfahrungen oder Erkenntnisse, die Du auf den Touren gewonnen hast und auf Dein „normales“ Leben übertragen kannst?

M: Vielleicht die Dankbarkeit, dass mein Geist und mein Körper mir das erlauben. Ich bin wirklich selber erstaunt, dass ich das alles trotzt meiner fast 55 Lebensjahre relativ locker und ohne irgendwelche Beschwerden weggesteckt habe. Am Ende war ich zwar immer müde, aber die Erholung erfolgte anschließend beeindruckend schnell. Insgesamt war es unheimlich rund und hat mir viel inneren Frieden gegeben. Auch und gerade Dank der Reflektionen unter uns zwei Freunden während der 12 Tage.

P: Seit 30 Jahren zieht es Dich in den Südwesten der USA, vor allem Utah und Arizona. Was macht diese Gegend so interessant für Dich?

M: Ich fühle mich da schon immer zu Hause. Seitdem ich erste Bilder gesehen habe, wollte ich dorthin. Manchmal ist mir, als sei ich im Südwesten geboren. Die Sonne, die Natur, die Weite. Gerade auf so einem Abenteuer, wenn man teilweise den ganzen Tag niemanden sieht, werde ich selbst ein Teil der Natur. Ich finde es ein schönes und beruhigendes Gefühl, weil man dabei auch begreift, wie unwichtig unser Leben im Vergleich zur Größe der Natur ist. Vor allem, wenn wir unsere begrenzte Lebensspanne zu den Jahrmillionen setzen, in denen dort bereits alles existiert. Das hat etwas sehr kraftvolles und ermöglicht mir ein bewusstes Leben.

P: Gibt es darüber hinaus einen Erkenntnisgewinn aus den Touren?

M: Kein Erkenntnisgewinn, außer dass es unheimlich toll war! Meine Erwartungen wurden alle übertroffen. Das allerbeste aber ist, dass ich es überhaupt gemacht habe, dass ich mir die Zeit dafür genommen habe. Eine taoistische Weisheit sagt ja, dass man im Leben möglichst kein Bedauern haben sollte, etwas nicht getan zu haben.

P: Wie haben Familie und Freunde auf das Vorhaben regiert?

M: Meine Frau und meine Kinder hatten Angst, dass etwas schief gehen könnte. Insbesondere im Death Valley. Sie waren froh, als ich wieder zu Hause war. Ich persönlich hatte mich sehr gut darauf vorbereitet und wusste schon, wo meine Grenzen sind.

P: Du hättest angesichts Deines 55. Geburtstages auch fünf der schönsten Strände besuchen und dort 24 Stunden zubringen können.

Mike: (lachend) Das kommt mit 65. Aktivität ist eben ein Teil meiner Lebensphilosophie. Ich stelle mir aber schon ein Leben vor, das etwas beschaulicher ist, wenn alle Kinder groß sind: Espresso trinken mit meiner Frau am Morgen - mit Meerblick, ein paar Runden schwimmen im Meer und das zurückliegende aktive Leben reflektieren.

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Kommentare

Kommentar von Klaus |

Ein sehr beeindruckender Mensch mit einer guten Lebensphilosophie! - Interessantes Interview!

Kommentar von Dieter |

Großartige Leistung, vor allem der Canyon. Mir hat nur runter und hoch in 4 Tagen gereicht.
Meine Hochachtung für dieser Tour ! ! !

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