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Bei Nacht und Nebel

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Eine Reise durch das Amazonasgebiet ist keine Kaffeefahrt. Soviel war uns vorher klar. Zumal das unfassbare Biotop nicht vom Sonnendeck eines komfortablen Mutterschiffs betrachtet werden sollte, sondern auch aus der Nähe. Quasi mittenrein, statt nur an der Reling.

Zahlreiche stundenlange Ausflüge im Zodiac bringen uns einige Geheimnisse der exotischen Natur näher. Jedes Mal kann man gar nicht so schnell und so viel schauen, wie man möchte. Das gilt für alle Ausflüge. Bis auf zwei. Bei denen sehen wir eher wenig bis nichts.

An einem Morgen ist der warme Regen so heftig, dass man das Ufer nicht erblicken kann. Der erste Start an dem Tag ist eigentlich für 06:30 Uhr geplant. Er verzögert sich. Wegen Sicht wie in einer Waschküche. Irgendwann bessert sich das. Doch es schüttet noch immer aus allen Wolken, als der Aufruf für die erst Gruppe erfolgt. Zu der gehören wir.

Bevor wir in die Boote steigen, sind wir schon klatschnass, von innen. So sehr schwitzen wir unter unserer wasserdichten Kleidung. Eigentlich bräuchten wir die nun auch nicht mehr. Nasser als nass geht nicht.

Es folgt eine Rundfahrt unter warmer Dauerdusche. Wir bekommen hautnah eine Vorstellung davon, wie es möglich ist, dass ein so großer Teil der Erde so voll Wasser laufen kann. Warum der Regenwald Regenwald heißt. Sehr speziell das Ganze. Aber die Rote lauscht unter ihrem knallgelben Regenhut den geheimnisvollen Geräuschen. Die üppigen Pflanzen lassen Blätter und Blüten hängen und die Tiere verkriechen sich, wo auch immer. Wir bekommen jedenfalls keine zu sehen.

Niemand protestiert, als der Ausflug um die Hälfte gekürzt wird. Angesichts eines gediegenen Frühstücks im Trockenen kehrt Sonnenschein auf unsere Gesichter zurück. Die Mimik der Ausflügler, die als nächste unsere Plätze im Zodiac übernehmen, passt sich der äußeren Kulisse an: bedröppelt.

Ein weiterer Ausflug mit beschränkter Sicht ist vorsätzlich und geplant. Er findet nach Sonnenuntergang statt. Regenwald bei Nacht. Eigentlich ist man froh, wenn man ein Dach über dem Kopf hat und vier Wände um sich herum weiß, wenn es dunkel wird im Dschungel. Da die Natur aber durchgehend geöffnet ist, und einige ihrer Bewohner im Schichtbetrieb vor allem nachts unterwegs sind, wollen wir diesen auch die Chance geben, uns kennenzulernen.

Die Fahrt in die Finsternis wird punktuell mit einem kleinen Suchscheinwerfer erhellt. Zum einen wollen wir Kollisionen mit Treibgut vermeiden, das im schlimmsten Fall unser Gummiboot aufschlitzt, zum anderen wollen wir die Bewohner des Waldes sehen. Im Gegensatz zu ihnen sind wir nämlich ohne technische Hilfsmittel blinder als jeder Maulwurf.

Also leuchten wir ins Gestrüpp und wo es zurückleuchtet, fahren wir hin - um zu sehen, was da vor sich hinfunkelt. Meistens nur unsere Phantasie. Aber am Ende bekommen wir doch noch einen kleinen Kaiman zu fassen, der eher genervt als verängstigt wirkt und nach ausgiebiger Betrachtung unbeschadet wieder zu Wasser gelassen wird.

Wesentlich belästigter scheint sich eine Baumboa zu fühlen, die wir in ihrer filigranen Schönheit bei der Suche nach ihrer nächsten Mahlzeit stören.

Regenwald bei Nacht ist schon sehr speziell. Atmosphärisch interessant und Tier-Ausbeute aufregend: so lautet unser Resümee für die Nachtwanderung im Boot.

Beim nächsten Ausflug muss unbedingt Kochmaus mit. Dann bekommt sie endlich den Platz in der Nahrungskette, den sie verdient: als idealer Snack für Kaiman und Schlange.

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