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Auf den Spuren der Mickynger #1

von (Kommentare: 1)

Liebes Bordtagebuch,

womit habe ich das jetzt wieder verdient?

Ich war noch nicht an der Barkasse angelangt, die mich ins Nordmeer bringen soll, da trifft mich fast der Schlag.

Fernab der großen Stadt, in der ich vorübergehend residiere, läuft mir doch tatsächlich die Rote über den Weg. Das heißt, fast. In Nullkommanix zog ich mir nämlich die Kochmütze ins Gesicht. So erkannte sie mich nicht und ich ging einer peinlichen Begegnung aus dem Weg.

Als dann auch noch der Graue aufkreuzte, war ich natürlich nicht mehr überrascht. Was immer die zwei auch vorhaben, es sieht so aus, als wenn die Rote Personal eingestellt hat, das sich um den schwer händelbaren Grauen kümmert. Da kann ich dem freundlichen, älteren Ehepaar, das ihnen nicht mehr von der Seite geht, nur Glück wünschen.

Im Augenblick frage ich mich, was diese Vier auf dem Schiff wollen, das ja eigentlich für meine Fahrt bestimmt ist. Steckt dahinter etwa ein perfider Plan? Sind auch sie auf den Spuren des Kässteinzimmers? Wenn ja, dann muss ich das unbedingt verhindern, bevor sie mir zuvorkommen.

Ich meine, was wollen die sonst in der Kälte? Die Rote friert ja schon im überheizten Wohnzimmer, wenn der Graue drei Zimmer weiter in der Küche den Kühlschrank aufmacht. „Kannst du nicht was sagen? Dann kann ich mir vorher einen Mantel anziehen“, tönt es dann durch die Wohnung, „Und wenn du schon mal da bist, bring doch gleich den Eierlikör mit!“

Ich werde wachsam sein müssen. Vor allem dem Grauen ist nicht zu trauen. Wenn es aufs Ganze kommt, werde ich ihn nach Kochvallah schicken müssen. Dort kann er im ewigen Küchenfeuer schmoren.

Jetzt ist aber erstmal Seeluft angesagt. Wir verließen die große Hafenstadt, während unglaubliche Menschenmassen die Ufer säumten, mir zujubelten und mir Glück wünschten. In all der Begeisterung überkam mich dennoch ein wehmütiger Gedanke. Auf dem Weg in die Eishölle dauerten mich all diese kleinen verweichlichten Menschlein, die mich anhimmelten. Wie sie dastanden, stets besorgt um drei warme Mahlzeiten täglich, fließend Wasser, Heizung. Ich meine, wer braucht das alles? Außer ich?

Ein letzter wehmütiger Blick auf das Käsemuseum am Ufer – die letzte Erinnerung an eine käsige Zivilisation – und ich bereitete mich auf die erste Nacht an Bord vor.

Schon bald fand ich einen Platz für mein Bärenfell, das ich extra mitgenommen habe, um im Eis zu bestehen. Ich prüfte meine Ausrüstung, Schneebesen und Eiswürfeleimer und warf noch einen Blick auf die Karte, bevor ich mich zur Ruhe bettete.

Die Kompassnadel zeigt nun nach Norden – hin zum Sternbild der Großen Kochmaus. Ein Wegweiser seit Jahrmillionen.

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Kommentare

Kommentar von Problemcousine |

In Hamburch war Hafengeburtstag liebe Kochmaus... Das ist hanseatisch, ähnlich wie Rosenmontagsumzug im Rheinland. Dieses Jahr vier Tage und zum 835. Mal. Zeige Dich erst später und stelle die Mitreisenden vor vollendete Tatsachen. Dann müssen Sie vor allem Deinen Zielen( die ja ab und an andere sind ) Folgen. Schließe eine Zweckfreundschaft mit den Trollen, die kennen sich da aus und können Dir paar Tips geben. Grüße

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