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Auf den Spuren der Mickynger #7

von (Kommentare: 2)

Liebes Bordtagebuch,

wie soll ich nur anfangen? Und wo? Die Ereignisse haben sich überschlagen. Heute wurde Geschichte geschrieben

Zuerst mal musste ich noch mit den ganzen Restfäden den nächsten Pullover zusammenklöppeln, ohne zu ahnen, was diesmal dabei herauskommen würde. Als ich fertig war, sah ich schließlich DEN entscheidenden Hinweis für das Kässteinzimmer vor mir. Ich betrachtete das wärmende Wollteil und mir gefror das Blut in den Adern.

War dieser Pullover wirklich die gestrickte Kirsche auf der Ermittlungstorte? Sollte DAS die Lösung sein? Die MS Otto Sverdrup? Das Schiff, das die Ehre hatte, mich als Passagierin an Bord zu haben? Ich erinnerte mich an die große mausepotanische Käseschamanin Mozzarilda und ihr Orakel: „Willst du an den Käsekuchen, musst du in der Nähe suchen.“

Galt dasselbe etwa auch fürs Kässteinzimmer?

Mein Leben lief wie im Zeitraffer vor meiner inneren Kochmütze ab und stoppte an der Rutsche während der Sicherheitsübung auf dem Wege zur Käsekühlkammer. Mein Unfall dort war kein Unfall. Jemand wollte verhindern, dass ich dem Kässteinzimmer zu nahe kam.

Ich musste unbedingt noch einmal nach unten. In Ottos tiefes dunkles Herz. Diesmal nahm ich aber nicht die Rutsche, sondern die Treppe. Ich rannte durch die kilometerlangen Wandelgänge der Handkäsevorräte. Dabei wurde es kälter und kälter, bis ich vor einer eisernen Tür stand. Ich war am Ziel.

Ich kratzte das Guckloch frei, und dann sah ich es: das sagenumwobene Kässteinzimmer. Da war es. Vor meinen Augen. Die Legende lebte. Doch in welchem Zustand. Die große Kulturerrungenschaft war zur Eishölle gefroren. Bewacht von der einst so mächtigen Hüterin des Kässteinzimmers Camemberta. Wie ein Stück TK-Ware wachte sie über den alten Kulturschatz.

Nun verstand ich alles: Seit seinem Verschwinden war das Kässteinzimmer ständig in Bewegung gewesen. Immer auf großer Fahrt. Mal mit einem Schiff, mal mit einem anderen. Von den Mickyngern bis heute. Irgendwann erreichte der Käse sein Mindesthaltbarkeitsdatum. Ab da musste er tiefgekühlt werden.

Es war nun meine große Aufgabe, das Käsesteinzimmer zu alter Schönheit und Reife wiederzubeleben. Dazu musste ich die Kühlung abstellen. Aber wo? Ich konnte nichts riskieren und so legte ich den Hauptsicherungsschalter um. An Bord gingen alle Lichter aus. Schlagartig wurde es in den Kabinen kalt. In den Kühlkammern warm. Das Eis wurde schockgeschmolzen. In Rekordgeschwindigkeit lief das Unterdeck voll mit Wasser.

Ich hörte, wie über mir der Generalalarm ausgelöst wurde. Siebenmal kurz, einmal lang. Rettungsboote wurden ins Wasser gelassen.

War ich wieder einmal die Einzige, die die Nerven behielt? Ich schnappte mir einen Eimer, um gegen die rasend schnell steigenden Fluten anzutreten. Doch allein war ich machtlos. Ich musste selbst sehen, dass ich davonkam. Schließlich bin ich nicht so einfach zu ersetzen wie das Kässteinzimmer. Und auf das Schicksal von Camemberta hatte ich auch keine Lust. Von der schwamm inzwischen nur noch die Mütze auf dem Wasser.

Bevor ich als Letzte in eins der Rettungsboote stieg, lief ich noch schnell ins Kapitänsbüro, um mir zu bestätigen, dass ich es war, die das Kässteinzimmer wiederentdeckt und zuletzt gesehen hatte. Die Urkunde kommt bei mir zu Hause an die Wand, wo schon die ganzen anderen Urkunden hängen von all meinen Glanzleistungen.

Im Rettungsboot sah ich dann das legendäre Kässteinzimmer in seinen Einzelteilen um uns herumschwimmen. Welch ein kultureller Verlust.

Ich ließ eine Flaschenpost zu Wasser, mit einer Botschaft an zukünftige Generationen. Wohin immer sie auch treiben wird, möge sie dort der Anfang sein für den Neuaufbau des Kässteinzimmers. Ich werde es dann auch wiederfinden und auch dieses Geheimnis lösen.

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Kommentare

Kommentar von Problemcousine |

Liebe Kochmaus- ein dramatisches Ende mit einem knalligen Abschluss. Wer ausser Dir auf der ganzen Welt könnte so etwas erleben? Du hast recht -KEINER. Weder Mensch noch andere Individuen. Für diese wissenschaftliche Leistung müsstest Du den alternativen Nobelpreis bekommen! Ich werde mal bei Carl Gustav den Vorschlag einreichen. Ansonsten fallen mir für Deine Forschungen noch andere ungelöste Rätsel der Mensch- und Mausheit ein. Können wir ja mal im direkten Kontakt,falls Du möchtest, bei einem Glas von Christel' s Met bequatschen. Grüße und Danke für die vergnügliche Schilderung Deiner Abenteuer. Aus Südschweden grüßt die Problemcousine.

Kommentar von Kochmaus |

Alter Schwede, Du!

Da hättest Du aber auch früher drauf kommen können, dass ich für Größeres geeignet bin. Und klar, lass uns reden. Christel´s Met geht auf Dich. Always yours, Kochmaus, Dr. Kas, Phil, Alt

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